Freitag, 26. Juni 2015

Forgotten Heroes - Mike Slamer

Bevor ich mich wieder einer kompletten Band widme, will ich nochmals einen „Forgotten Hero“ der Rockmusik ins Gedächtnis zurückbringen. Leider sind die Infos über den Mann spärlich gesät, deshalb wird der Artikel nicht ganz so umfangreich.

Der Mann, um den es hier geht, war an unzähligen Alben beteiligt und hat, insbesondere im AOR/Melodicrock-Bereich, einige wirkliche Knaller abgeliefert.

Die Rede ist von Mike Slamer, einem Gitarristen, Songwriter und Produzenten.

Der Brite startete seine Karriere Mitte der 70er bei den aus Birmingham stammenden CITY BOY, die heutzutage leider kaum noch Jemand kennt.
Die Truppe hat mehrere Alben veröffentlicht, wobei der internationale Erfolg leider ausblieb. Lediglich in ihrer Heimat und in Skandinavien konnten die Musiker so etwas wie Erfolge verbuchen. CITY BOY gehören zu den unterbewerteten Bands, was auch vielleicht daran liegen mag, dass ihr Stil (eine Mischung aus AOR und Pomprock mit progressiven Einflüssen) nicht Jedermanns Sache ist. Interessierte sollten aber mal reinhören, insbesondere „The Day the Earth caught Fire“, (dass auch schon von Jorn Lande gecovert wurde) und „Hap-Ki-Do-Kid“ sind großartige Songs.

CITY BOY lösten sich 1981 nach Veröffentlichung von „It's Personal“ auf. Slamer siedelte daraufhin in die USA über und gründete dort, zusammen mit dem KANSAS-Sänger Joe Walsh und dem Bassisten Billy Greer, die Band STREETS, die mit „First“ (1983) und „Crimes in Mind“ (1985) zwei herausragende Alben veröffentlichten,
die zu wirklichen Kultscheiben geworden sind, was nicht zuletzt an Songs wie „Nightmare begins“ liegt. Später wurde noch ein „Live“-Album, eine Aufzeichnung einer Radioshow der King Biscuit Flower Hour, nachgeliefert.

Walsh und Greer kehrten 1986 zu Kansas zurück. Mike Slamer machte sich nach der Zeit mit STREETS einen Namen als Sessionmusiker und Songwriter.
Unter anderem arbeitete er mit und für ANGRY ANDERSON, KIX, FIONA, HARDLINE, HOUSE OF LORDS, WALL OF SILENCE, Axe und TOWER CITY. Auch an Soundtracks wie etwa ROCK STAR war er beteiligt.

Kurz vor der Jahrtausendwende war er wieder komplett in eine Band integriert. STEELHOUSE LANE veröffentlichten zwei Alben (1998 und 1999), die man durchaus als Meisterwerke des Melodicrocks bezeichnen kann. Wie bei vielen ähnlich gearteten Bands waren die Verkäufe aber eher schlecht.

Zwei Jahre später arbeitete Mike Slamer wieder mit Billy Greer zusammen. SEVENTH KEY waren geboren und veröffentlichten mehrere Alben, die absolute Highlights des melodischen Rocks sind.
Zwischen den SEVENTH KEY-Alben veröffentlichte er 2006 noch das Album „Nowhere Land“ unter dem Namen SLAMER. Auch hier wurde Melodic Rock vom Feinsten geboten, verfeinert von der Stimme des ehemaligen STRANGEWAYS Mitglieds Terry Brock.

In letzter Zeit ist es relativ ruhig um Mike Slamer geworden, als Sessionmusiker und Songwriter ist er aber weiterhin aktiv.

Empfehlen kann ich eigentlich Alles, an dem er beteiligt war. Wer nicht gleich voll zuschlagen will, sollte sich zumindest die beiden STREETS und das Debut von SEVENTH KEY besorgen.

Freitag, 1. Mai 2015

Forgotten Heroes - Russ Ballard

Ich gebe es ja zu, der Spartentitel ist vielleicht etwas übertrieben, aber was die Bildzeitung kann, kann ich schon lange.

Auch wenn Russ Ballard kein wirklich Unbekannter im Rockuniversum ist - Die Berichterstattung über ihn ist recht spärlich.

Der mittlerweile fast siebzigjährige, britische Musiker, Songwriter und Produzent begann seine Karriere in den frühen 60ern. Die erste Band, in der Russ Ballard mitwirkte, war THE ROULETTES.
Diese ursprünglich als Backingband für den britischen Sänger Adam Faith gegründete Truppe brachte es auf ein Album, „Stakes and Chips“, das 1966 erschien. Russ Ballard wanderte danach zu UNIT 4+2,
die mit „Concrete and Clay“ sogar einen Hit innehatten.












Richtig los ging es für Russ Ballard aber 1970, als er zu ARGENT stieß.

















Seine Songwriterfähigkeiten brachten der Band einige Erfolge, darunter die Songs „Liar“ (der auch von THREE DOG NIGHT veröffentlicht und in dieser Version ein großer Hit wurde) und der wohl bekannteste Titel von Argent, nämlich „Hold your Head up“, der auch immer wieder auf 70er Compilations auftaucht. Persönlich finde ich jetzt das Gesamtwerk von ARGENT aber nicht essentiell.

1974 verlies Russ Ballard ARGENT wieder. Ab diesem Zeitpunkt startete er seine Solo-Karriere, nicht nur als Musiker, sondern auch als Songwriter und Prodzent für eine Unzahl von Bands und Solokünstlern.

Mit den Songs, die er für andere Künstler geschrieben hat, (und teilweise selbst auch auf seinen Soloalben veröffentlicht hat) könnte man mehrere Seiten füllen. Ich will mich deshalb nachfolgend auf ein paar der wichtigsten Songs beschränken.

Unter anderem stammen folgende Songs von Russ Ballard.

RAINBOW: I surrender (Difficult to the Cure) und Since you been gone (Down to Earth). Since you been gone wurde auch von HEAD EAST auf ihrem selbstbetitelten 78er Album veröffentlicht und dazu noch von zig anderen Bands.

AMERICA: You can do Magic (View from the Ground), The Border (Your Move)

URIAH HEEP: On the Rebound (Abominog), der Song ist auch auf Russ Ballards „Barnet Dogs“-Album enthalten.

MAGNUM: Rockin' Chair und No Way out (Goodnight L.A.)

ACE FREHLEY: New York Groove (Kiss/Ace Frehley), der Song war auch ein Hit für HELLO.

Desweiteren hat er auch sehr viel für Roger Daltrey (THE WHO) geschrieben. Auch SANTANA griff auf seine Fähigkeiten als Songwriter zurück. Ebenso hat er für zwei Mitglieder von ABBA Songs geschrieben. Für AGNETHA FÄLTSKOG schrieb er „Can't shake loose“, für ANNI-FRID LYNGSTAD „There's something going on“.

Einer seiner bekanntesten Songs in Metalkreisen ist sicherlich „Riding with the Angels“, das u.a. von SAMSON aufgenommen wurde und von ihm selbst auf dem „Barnet Dogs“-Album veröffentlicht wurde.


Aber nun zu Russ Ballard und seinen eigenen Scheiben. Ich werde nicht für jedes Album die einzelnen Songs besprechen, da ich eigentlich jedes seiner Werke bis 1985 empfehlen kann und meine werte Leserschaft auch auf Entdeckungsreise gehen soll.





1974 erschien das selbstbetitelte Solo-Debut.
Teilweise noch sehr dem etwas softeren Rock'n Roll verbunden zeigt es aber schon, was in Russ Ballard so steckt. Herausragend ist sicherlich „Kicks“ das später von SAVOY BROWN in einer extrem geilen Version auf „Make me sweat“ veröffentlicht wurde.





1976 wurde „Winning“ veröffentlicht.
Den Titeltrack hatte Ballard ursprünglich für SANTANA geschrieben. „Just a Dream away“ hört man auch auf dem Soundtrack des Films „McVicar“, allerdings in einer Version von Roger Daltrey, Dazu ist noch „Since you been gone“ enthalten, das, wie schon geschrieben, bereits zigmal gecovert wurde. Impelliteri sind hier auch noch zu nennen. (Und wer will kann auch mal die sehr geile Version der BRYAN MAY-Band live at Brixton 93
checken)

Sein 78er Werk hört auf den Namen „Third Stroke“.
Der Opener „Dancer“ist ein genialer Rocksong, hier hört man neben Russ Ballard noch so illustre Namen wie Jeff Porcaro und David Paich (TOTO). Mein Fave des Albums hört auf den Namen „I'm a Scorpio“. Auch „Cast the Spirit“ ist sehr zu empfehlen.





1980 kam „Barnet Dogs“ auf den Markt.
Hier ging Russ Ballard um einiges härter ans Werk, wie man schon an „Rene didn't do it“, dem ersten Track, merkt. Auf „Barnet Dogs“ findet man, wie schon angesrochen auch „On the Rebound“, das mir persönlich in der Version von URIAH HEEP besser gefällt, sowie „Riding with the Angels“

„Into the Fire“, das 1981 erschien, nahm die Härte wieder etwas weg. Trotz oder gerade weil hier nur Material enthalten ist, das für keinen anderen Musiker bestimmt war (zumindest meiner Kenntnis nach) ist das Album eine durchgehend sehr gute Rockscheibe. „Madman“, „Guilty“ und „Where we go from here“ zeigen das auf eindrucksvolle Weise.


1984 sollte, zumindest was den Erfolg unter seinem eigenen Namen anbelangt, ein großes Jahr für Russ Ballard werden. Erneut schlicht selbstbetitelt enthielt die Scheibe eine Reihe Klassiker, unter anderem auch das unsterbliche „Voices“, das man auch in einer Folge von Miami Vice hören kann und seit mittlerweile Jahrzehnten zu den ganz großen Rockclubklassikern gehört und von jeder Rockradiostation immer wieder gespielt wird. Aber auch die anderen enthaltenen Songs, allen voran der Opener „I can hear you no more“, das ebenfalls in Miami Vice zu hörende „In the Night“, das fröhliche, mit „Since you been gone“ verwandte „Two Silhouettes“, sowie die großartige AOR-Songs „A Woman like you“ und „The last Time“ wissen zu begeistern.


Ein Jahr später kam ein besonderes Album von Russ Ballard auf den Markt, das in einer bestimmten Version zu einem Kultsammlerstück wurde und in diesem Form auch eine, zumindest meiner Meinung nach, Pioniertat enthielt.
Die Rede ist von „The Fire still burns“, das es in einer speziellen Auflage, mit der sogenannten Broadcast-Disc gab, dazu aber später mehr. „The Fire still burns ist ein großartiges Album in der Schnittmenge zwischen klassischem Rock und AOR. „Once a Rebel“, „The Omen“, das überragende „Your Time is gonna come“, „Dream on“ oder der Titeltrack sind ganz großes Kino. Aber nun zu der angesprochenen Auflage des Albums mit der Broadcast-Disc. Im Gegensatz zur normalen Veröffentlichung bekam man diese Version in einem FOC mit zwei LP's. Neben dem normalen Album war die genannte Broadcast-Disc enthalten, die auf einmalige Weise und soweit ich weiß erstmalig überhaupt, den Entstehungsprozess eines Songs (The Fire still burns) anhand einzelner Spuren aufzeigte. Oft taucht diese Version nicht auf, obwohl längst nicht mehr die Preise wie Anfang der 90er dafür erzielt wurden. (600 bis 800 DM) Mit 80 -100 Euronen ist man mittlerweile dabei.
Der Track ist aber mittlerweile auch bei youtube zu finden. Etwas gekürzt lief der Song auch desöfteren in den bayrischen Rockclubs und auch in Läden wie dem Aladin in Bremen. Offiziell war er lange Zeit nur auf Vinyl erhältlich. Bei der großen Bootlegwelle in den 90ern (Munich City Nights, Bavarians Best usw.) war er aber öfters auf CD zu haben. Erstmals offziell und in der etwas gekürzten Version war er bei der Los Rockos-Compilation des bayrischen Rundfunks enthalten.


8 Jahre lies sich Russ Ballard Zeit für „The Seer“. Ich muss zugeben, dass ich das Album recht schwach finde, bis auf „King for a Day“ kann mich daran nichts begeistern. „Book of Love“, das erst 2006 das Licht der Welt erblickte, ist wieder etwas besser geworden, reicht aber auch bei weitem nicht mehr an die früheren Glanztaten heran. Seitdem gibt es keine neuen Veröffentlichungen von Russ Ballard, live hingegen ist er immer noch unterwegs.

Die Alben sind bis auf die Broadcast-Disc-Version von „The Fire still burns“ leicht und günstig zu bekommen.




Donnerstag, 23. April 2015

70's Heavies - Birtha

Nach einer etwas längeren, krankheitsbedingten Pause geht es hier weiter.

Die nächste Vorstellung im Sacred Metal Blog nimmt sicherlich eine Sonderstellung in den 70's Heavies ein, gelten BIRTHA doch als erste Rockband , die nur aus Frauen bestand.

Die drei kalifornischen Freundinnen Shele Pinizzotto (Gitarre), Rosemary Butler (Bass) und Sherry Hagler (Keyboards) machten schon seit der Highschool zusammen Musik. 1968 kam noch Liver Favela am Schlagzeug dazu und BIRTHA waren komplett. Jetzt fragen sich sicher einige Leute wo zum Geier die Sängerin ist-Alle vier Mädels teilten sich die Leadvocals, was ja auch nicht alle Tage vorkommt.




Direkt nach dem Einstieg von Favela gingen die Frauen auf eine ausgedehnte Westküstentour, die sie von ihrem Heimatstaat bis nach Alaska führte. Bei diesen Gigs spielten BIRTHA allerdings noch kein eigenes Material, zu diesem Zeitpunkt war die Truppe eine reine Coverband. Während dieser Tour, die bis 1971 andauerte, verfeinerten die Mädels ihren eigenen Stil und trauten sich nach Tourende an die ersten eigenen Songs. 1972 erhielten BIRTHA einen Plattenvertrag mit Dunhill Records und kurz darauf wurde auch das selbstbetitelte Debut veröffentlicht, das auch eine Singleauskopplung nach sich zog. Auf das Debut komme ich noch zurück.

Gleich im Anschluss ging es wieder auf Tour, diesmal mit eigenem Material und dem Album im Rücken. Beackert wurden neben Kanada und den USA auch Europa (hier mit den KINKS) Nach Ende dieser Tour, die ein knappes Jahr dauerte, gingen BIRTHA zurück ins Studio um den Nachfolger des Debuts aufzunehmen. „Can't stop the Madness“ hieß das Werk, dass es der Band ermöglichte im Anschluß Konzerte mit so illustren Namen wie FLEETWOOD MAC, ALICE COOPER und BLACK OAK ARKANSAS zu spielen. Knapp 250 Konzerte rissen die Mädels so in einem Jahr runter, viele davon in ihrer Heimat Los Angeles und da natürlich in den Kultclubs wie dem Troubadour und dem Whiskey.

Es folgten noch viele Livegigs, bis sich die Truppe 1975 trennte.

Rosemary Butler machte weiter Musik, primär als Backgroundsängerin, u.a. für NEIL YOUNG und JAMES TAYLOR, dazwischen konnte sie aber noch mit „Ridin' High“ einen Nummer 1 Hit in Japan landen. Zudem war sie als Vocal Coach tätig und hat mittlerweile wieder eine eigene Band am Start.

Was die anderen Mädels nach der Trennung machten, konnte ich leider nicht rausfinden. Eventuell kann ich aber noch ein Interview mit Rosemary Butler führen. Den Artikel würde ich dann damit ergänzen.

Der Stil von BIRTHA ist sehr abwechslungsreich. 70er Rock, mal mehr, mal weniger heavy, aber immer mit sattem Drive, einem kleinen Spritzer Funk und einem teils sehr eigenen Gitarrensound.

Das Debut beginnt kurz und knackig mit „Free Spirit“ einem sehr groovigen und extrem eingängigen Titel. „Fine Talking Man“ ist ein Prototyp eines sich immer mehr steigernden Songs. Vom relativ ruhigen Anfang bis zum Ausrasten der Instrumentalfraktion, dem sich noch eine unglaubliche Vocalperformance anschließt, ein feines Stück Rockmusik. Boogie ist mit „Tuesday“ angesagt, schön straight nach vorne gehend. Hier zeigt sich besonders wie die Mädels den Spannungsbogen eines Songs durch Abwechslung halten können. „Feeling lonely“ beginnt als eine schöne aber unspektakuläre Halbballade, die durch die schönen Vocals besticht. Im Mittelteil wird aber wieder heftig auf die Instrumente eingeschlagen. Mit „She was good to me“ präsentiert die Band eine textlich sehr schöne, aber musikalisch leider sehr seichte Ballade. Dafür startet die Truppe mit „Working on a Dream“ wieder durch, sehr funky und mit Soul, erinnert etwas an RARE EARTH. „Too much Woman (for a Hen Pecked Man) ist neben „Free Spirit“ mein persönliches Highlight der Scheibe. Genialer Gesang, gepaart mit heavy Gitarren und groovig ohne Ende. Der „Judgement Day“ schlägt in die selbe Kerbe, ist aber durch den stärkeren Orgeleinsatz und der fuzzigen Gitarre doch wieder anders. Das Ende des Albums markiert „Forgotten Soul“, wieder sehr abwechslungsreich, bei der die Band nochmal alle Register zieht.


Die Birtha-Scheiben gehören jetzt nicht zu den ganz großen Raritäten, nachgeschmissen werden sie einem aber auch nicht. Etwa 25 Euronen sollte man für eine Originalpressung in gutem Zustand rechnen. Das gilt für beide Alben. Meines Wissens nach gibt es die beiden Scheiben nur in einer 2 on 1-Auflage auf CD, diese scheint aber sehr selten zu sein. Von dieser 2 on 1 gibt es anscheinend auch noch ein Bootleg.

Freitag, 30. Januar 2015

Kraut für Krauts: Birth Control - Operation

Vorweg: Auch wenn viele Krautrockbands vom Sound her auch in den 70s Heavies-Bereich passen würden, hab ich denen hier im Blog eine eigene Sparte gegönnt. Krautrock ist stilistisch einfach zu vielfältig, so das mit dieser Schritt nötig erschien.


Zu den bekanntesten Vertretern des Krautrock gehören sicher BIRTH CONTROL. (Auch wenn die Band bereits in der, ich sage mal, Prä-Krautrockära gegründet wurde).

1966 war das „Geburtsjahr“ für die Band, die aus dem Zusammenschluss zweier Berliner Truppen entstand. In dieser frühen Besetzung, in der die Band nur Coverversionen spielte, war auch noch der immer wieder zitierte Hugo Egon Balder dabei, der BIRTH CONTROL aber vor dem ersten Album verließ. Kleine Anmerkung am Rande-Man kann von HEB halten was man will, Ahnung von Musik hat er.

Nach gut zweieinhalb Jahre Tingeln durch Berliner Clubs erhielt die Band ein Angebot aus dem Libanon (?!) um drei Monate in einem Nachtclub in Beirut zu spielen. Nach der Rückkehr nach Deutschland hatten BIRTH CONTROL ihren Gitarristen, Reiner Borchert, verloren, der im Libanon geblieben ist. Als kurze Zeit später Sänger Fritz Gröger ausstieg und durch Bernd Noske(+2014) ersetzt wurde, begann die Band erstmals, eigene Stücke zu schreiben. Die Band beackerte wieder kleine Clubs in ganz Deutschland, und nahm bei einem kleinen Schlenker nach Wien 1970 dort die erste Single auf. Kurz darauf wurde auch das selbstbetitelte Debut veröffentlicht. Dieses Album verschaffte BIRTH CONTROL die Möglichkeit, als einzige deutsche Band beim Super Concert 70 neben Größen wie TEN YEARS AFTER und PROCOL HARUM zu spielen.

Das Debutalbum, insbesondere die Erstauflage, ist schon alleine aufgrund der Covergestaltung ähnlich legendär wie das Mülltonnencover des ELOY-Debuts.
Ihrem Namen entsprechend haben BIRTH CONTROL das Cover als Antibabypillen-Verpackung gestaltet, natürlich ist die echte Pille enthalten.

Nach einer Tour, die bis 1971 andauerte, begab sich die Truppe wieder in Studio um das nächste Album, „Operation“, aufzunehmen, auf das ich dann noch eingehen werden.

Ihren sicherlich größten Erfolg hatte die Band aber 1972 mit der Veröffentlichung von „Hoodoo Man“, insbesondere mit dem darauf enthaltenen Song „Gamma Ray“, der trotz einer Länge von fast zehn Minuten ein Hit, nicht nur in Deutschland, wurde.

Nun aber zu „Operation“, das mir persönlich besser als „Hoodoo Man“ gefällt, zumal „Gamma Ray“ wirklich schon tot gespielt wurde.


Mit „Stop Little Lady“ gelingt der Band ein Albumeinstieg nach Maß. Sämtliche Markenzeichen der Band (heftiges Schlagzeugspiel, harte, aber punktuell eingesetzte Gitarrenriffs, einprägsames Hammondspiel und allgemein ausufernde Instrumentalparts) werden hier zelebriert.“Just before the Sun will rise“, hat einen, ich will mal sagen, Westerntouch und erinnert von der Instrumentierung teilweise an Intrumentalbands wie THE SPOTNICKS. Geht extrem gut ab und ins Ohr. Mein persönlicher Fave der Band folgt mit „The Work is done“. (Das bei einem Beatclubauftritt fälschlicherweise mit „Give me Shelter“ angekündigt wird) Heavy und extrem einprägsam findet der Song immer wieder Eingang in meine Playlists. „Flesh and Blood“ zeigt auf, was Bernd Noske für ein geiler Sänger war. Dazu wieder heftiges Treiben sämtlicher Musiker, ein Killer! Das folgende „Pandemonium“ nimmt rein intrumental gesehen, schon etwas von „Gamma Ray“ vorweg. Hier hört man auch wieder, wie gut die Band das Songwriting sowie die Instrumentierung beherrscht. „Let us do it now“ fällt gegenüber den anderen Songs aus dem Rahmen, erinnert durch den Einsatz von Streichern etwas an frühe MOODY BLUES und klingt fast wie ein Soundtrack.

Noch etwas Trivia zu dem Album. Das Cover erzeugte auf zwei Arten einen Skandal. Das Originalcover, das den Papst und eine babyfressende, mutierte Heuschrecke zeigt wurde heftig diskutiert, aber seltsamerweiße nie zensiert. Für England wurde ein vermeintlich harmloseres Cover genutzt, dort weigerten sich die Mitarbeiter der Plattenfirma aber, die Platte zu verpacken, da sie das Cover anstößig fanden.
Es zeigt einen Aal in einem Kondom, was anscheinend von einigen Personen als stilisiertes Spermium angesehen wurde.

Es existieren mittlerweile zig Auflagen auf Vinyl und CD, hier sollte sich jeder selbst das für ihn beste Exemplar aussuchen. Für ein Erstauflagenoriginal muss man so um die 300 Euronen anlegen.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

70's Heavies: Bloody Mary - S/T

Eigentlich wollte ich hier ja nur Alben vorstellen, bei denen man zumindest eine kleine Hintergrundgeschichte schreiben kann. Leider ist das hier so gut wie unmöglich, da sich die wenigen Infos, die man findet, auch noch widersprechen. Das Album ist aber meiner Meinung nach so gut, dass ich es hier verewigen will. Für mich persönlich gehört die „Entdeckung“ dieses Albums zu den musikalischen Highlights 2014.

Einigermaßen gesichert scheint zumindest zu sein, dass das selbstbetitelte BLOODY MARY Album 1974 aufgenommen wurde. Es wird immer wieder behauptet, dass die Band aus dem Umfeld von SIR LORD BALTIMORE stammt, mit der Begründung,  John Garner (Drums und Vocals bei SLB) wäre an den Aufnahmen beteiligt gewesen. Dieser hat dies aber in einem Interview, das ich gefunden habe, verneint. Hier kommen aber auch wieder die Gerüchte auf, das er die Beteiligung verdrängt oder vergessen hat. Seis drum, wer jetzt wirklich hinter BLOODY MARY steckt, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben.

BLOODY MARY spielen Rock, nicht unbedingt heavy im Vergleich mit anderen Bands, aber mit viel Leidenschaft und Sinn für gute Songs.


„Dragon Lady“ ist ein groovender Rocker, der durch die Gitarrenläufe und die fiebrige Percussion etwas in Richtung frühe SANTANA geht, aber nicht unbedingt zum Latinorock zu zählen ist. Auf dem „Highway“ geht es in der Richtung weiter, wenngleich etwas progressiver. „Riddle of the Sea“ kann man einfach nur als wunderschön bezeichnen. Zu Beginn etwas folkig steigert sich das Ganze zu einem epischen Rocksong, der einfach nur großartig ist und einen verzaubert zurücklässt. Etwas Uriah Heep, aber auch 60er Beat (was einige veranlasst, das Album früher als 1974 zu datieren) entdeckt man bei „Free and easy“. Der Song lebt von Widersprüchen-auf der einen Seite einprägsamer aber ruhigerer Rock, auf der anderen Seite ein starker psychedelischer Einschlag im Mittelteil, der den Übergang zu einer heftigeren Variante des Einstiegs bildet. „You only got yourself“ hat wieder die fiebrige Atmosphäre wie Dragon Lady, ergänzt mit wilder Hammond-Performance und einem abgedrehten Drummer. Sehr groovig und leidenschaftlich. Der härteste Track des Albums ist „Can you feel it (Fire)“. Besonders der Drummer darf hier wieder ausrasten, aber auch der Gitarrist zeigt mit wenigen, aber wohl dosierten Riffs und Leads, was Sache ist. Dazu der emotionale Gesang, der sich durch das ganze Album zieht und auch mal erwähnt werden sollte. Den Abschluss des Albums bildet „I hear the Music playing“, ein anfangs etwas ruhigerer, mit viel Leidenschaft vorgetragener Song, der sich langsam in einen heftigen Rocker verwandelt und dann durch tolle Gitarrenarbeit und dem krassesten Gesang des Albums begeistern kann.


Die Scheibe ist wirklich eine vergessene Perle und wartet darauf von geneigten Hörern entdeckt zu werden. Bei Youtube kann man sich das ganze Album anhören.

Mir sind drei Versionen des Albums bekannt. Das Vinyl, dann eine CD von 1993, wobei es sich anscheinend um ein Bootleg handelt und eine Korea-CD auf dem Big Pink-Label, die im Mini Vinyl-Sleeve veröffentlicht wurde und relativ günstig zu bekommen ist. Die Original-LP ist recht selten, aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades kann man das Ding aber durchaus mal für 40,-€ bekommen.

Samstag, 29. November 2014

Canada rocks: Wireless

Wir sind wieder Land des Ahorns.

Im Gegensatz zu MOXY dürften WIRELESS den Wenigsten bekannt sein. Wer sich Anfang der 90er viel in bayrischen Rockclubs rumgetrieben hat dürfte zumindest ein paar Songs kennen, auch wenn der Name nicht geläufig ist.

WIRELESS sind eine der Bands, bei denen das „The Third make it or break it“ wirklich passt, dazu später mehr.

Die Vorstellung der Band wird etwas kurz ausfallen, da die Infos recht spärlich gesät sind und der Bandmember, den ich ausfindig gemacht hatte, leider nicht auf Emails reagiert.

WIRELESS gingen aus der Band AUTUMN hervor. Hinter dem Namen standen die Australier Allan Marshall (Bass), Steve McMurray (Gitarre) und Glenn Beatson (Drums), die Mitte der 70er zuerst nach England und anschließend nach Kanada übersiedelten, da sie in ihrem Heimatland mit ihrer Musik keinen Fuß auf den Boden bekamen. In Kanada tourte die Band eine Weile mit LIGHTHOUSE bis sie dann irgendwann in Toronto hängenblieb. Dort stießen der Sänger Michael Lalonde und der Gitarrist Mike Crawford zu AUTUMN, die sich kurz darauf in WIRELESS umbenannten.
Nach relativ kurzer Zeit erhielt die Band einen Plattenvertrag mit Atlantic Records. Die Truppe ging ins Soundstage Studio in Toronto und nahm dort unter der Regie von Jack Richardson (produzierte unter Anderem THE GUESS WHO und ALICE COOPER) ihr selbstbetiteltes Debut auf. Das Album und die daraus ausgekoppelte Single „Spend the Night with me“ wurden relativ gut angenommen, von einem Erfolg kann aber nicht unbedingt die Rede sein.

Zum Debut ist zu sagen, dass es sich um ein recht gutes Rockalbum handelt. Herausragend ist auf alle Fälle „Lady Anne“, eine groovige Halbballade und die recht gelungene Coverversion von „Chain of Fools“.

Nach der Veröffentlichung des Albums gingen WIRELESS auf Tour, die nicht besonders erfolgreich war. Da auch die Verkäufe der Scheibe hinter den Erwartungen zurückblieben, verlor die Band den Vertrag mit Atlantic wieder. Ein weiterer Rückschlag kam, als Beatson wieder in seine alte Heimat zurückwollte. Aus diesem Grund verließ er die Band. WIRELESS lagen auf Eis wie man so schön sagt-Der Rest der Band verbrachte die kommenden Monate damit einen neuen Drummer zu suchen. Besetzt wurde der Posten dann schließlich mit Marty Morin, der vorher bei Goddo am Schlagzeug saß. Kurz darauf verabschiedete sich auch Lalonde von der Band. Die verbliebenen Musiker entschieden sich dann zu Viert weiterzumachen, mit Marshall als Sänger, der diesen Posten ja bereits bei AUTUMN innehatte. Man wollte nicht noch mehr Zeit verplempern um auch noch einen neuen Sänger zu finden.

WIRELESS holten sich einen neuen Manager namens Ray Danniels um schnellstmöglich ein neues Label zu finden. Dieses fanden sie in Anthem, das unter anderem auch RUSH und MAX WEBSTER betreute. Mit dem Produzenten Mike Tilka, dem ehemaligen Bassisten von MAX WEBSTER ging es ins Studio und das Zweitwerk „Positively Human, relativily Sane“ wurde aufgenommen. Zwei Songs darauf, „The Rut“ und „What you make it“ wurden von Marty Morin eingesungen. Das Album erhielt gute Kritiken und die Verkäufe waren ok, aber nicht überragend.

Wenn man sich das Album anhört wird man feststellen, warum das Album nicht Jedermanns Sache. An sich handelt es sich um sehr guten AOR/Hardrock, der aber, ähnlich wie bei RED RIDER, etwas sperrig ist. Aber genau das macht meiner Meinung nach die Klasse des Albums aus. Insbesondere das auf ein tolle Riffs aufbauende „No way out“, das coole „Hard Way“ und „461 Markham“ wissen zu gefallen.

Anthem war an sich zufrieden mit den Verkäufen und glaubte an die Band. Um WIRELESS noch den letzten Schub zum Erfolg zu geben, wurde für das nächste Album ein neuer Produzent engagiert. Anthem wollte jemanden, der bereits einen Namen in der Szene hatte. Bei diesem Produzenten handelt es sich um keinen Geringeren als Geddy Lee von RUSH. Mit ihm zusammen ging die Band in ein Studio in Quebec um ihr 80er „No Static“ einzuspielen.

Eigentlich standen alle Zeichen auf Erfolg. Ein bekannter Produzent, eine nicht mehr gänzlich unbekannte Gruppe und Anthem geizte auch nicht mit der Promotion. Trotz der ganzen Bemühungen schaffte es die ausgekoppelte Single namens“ Pay to Ride“ nicht einmal in die Top 30 und die Verkäufe des Albums blieben auch weit hinter den Erwartungen zurück. Dies war das Ende für WIRELESS.

Resigniert verließ Morin die Band anschließend um sich den reformierten GODDO anzuschließen. Die anderen Musiker zogen sich meines Wissens nach komplett aus der Musikszene zurück.

„No Static“ ist in Kanada heute so etwas wie ein Kultalbum und auch in Europa gilt die Scheibe als sträflichst unterbewertet. Wie so oft wurde die Klasse des Albums leider erst zu spät entdeckt.

Das Album ist härter als die anderen Scheiben und in Teilen auch etwas progressiv. Wirklich herausragend sind Songs wie „Go naked through the World“, „One of a Kind“, „East of the Sun, West of the Moon“ und der Überknaller „Journey of a possible Hero“.



Donnerstag, 27. November 2014

70's Heavies: Solid Ground - Made in Rock

Unser Reise in die 70er führt uns nach Schweden und zu einem „heiligen Gral“ für Sammler des Genres.

Die Geschichte von SOLID GROUND beginnt Mitte der 70er in Solna (Stockholms Län, also im Bezirk Stockholm), allerdings unter dem Namen 4-EVER. Die beiden Gitarristen und Sänger Gösta Hjelmqvist und Tobbe Benckert wollten unbedingt eine Band an den Start bringen und nachdem Anders Berge an den Drums und Cary Lindfors am Bass dazustießen, war das Lineup komplett. Obwohl die Truppe noch keinen Livegig gespielt hatte und im Prinzip nur im Proberaum existierte gingen die Musiker ziemlich bald ins Studio um eine Single aufzunehmen. Sie entdeckten nämlich in einer Zeitung eine Anzeige des HZ-Studios, das kurz zuvor von Hans Östlund (der in den 60ern in der zumindest in Schweden relativ bekannten Beatband HEP STARS Keyboard gespielt hatte) eröffnet wurde. Da er gleichzeitig ein kleines Label gründete (Scam Records) war er auf der Suche nach Bands und bot Aufnahmen zu sehr günstigen Preisen an. Die Band nahm die Songs „Tunnelbane Blues“ und „Vansinniga Berta“ für die Single auf, die in einer Auflage von 200 Stück gepresst wurde und dementsprechend so gut wie nicht zu finden ist. Auch blieb es die einzige Veröffentlichung von 4-EVER.

Cary und Tobbe mussten kurz nach den Aufnahmen ihren Militärdienst antreten und verließen die Band somit. Nachdem mit Björn Uhr an der Gitarre und Peter Eklund am Bass Ersatz gefunden wurde, nannte sich die Band in SOLID GROUND um. Der Namenswechsel ging auch gleich mit einer Änderung des Musikstils einher, der rockiger und heavier wurde.

Mitte 1975 begab sich die Band wieder in ein Studio um die Single „My Song/Tell me“
aufzunehmen. Obwohl SOLID GROUND sich nicht erneut für das Studio von Hans Östlund entschieden betreute er die Aufnahmen als Produzent und war auch für den Endmix zuständig. Diese Single wurde auch wieder nur in einer Auflage von 200 Stück veröffentlicht.

Anschließend begann die Band regelmäßig zu touren, meistens jedoch mit Truppen, die einen ähnlichen Status innehatten. Erwähnenswert ist hier vielleicht FRIENDSHIP TIME, deren einziges Album bis vor ein paar Jahren unveröffentlicht blieb.

Ende 1976 hatten SOLID GROUND genügend Material zusammen um ein Album aufzunehmen.
„Made in Rock“, dass das einzige Album der Band bleiben sollte, wurde in nur zwei Tagen aufgenommen, wobei hier ein Tag auf die Aufnahmen, der andere Tag für den Endmix genutzt wurden. Hans Östlund war hierfür wieder zuständig. (Während der Aufnahmen nutzte die Band ein Instrument namens Orchestron, dass wohl Ähnlichkeiten zu einem Mellotron hat. Viel ist über das Ding nicht bekannt, es soll aber mit einem anderen Prinzip gearbeitet haben.) Das Album wurde bald nach den Aufnahmen veröffentlicht, aber, man kann es schon erraten-die Auflage betrug wieder nur 200 Stück, was den „Holy Grail“-Status unter Sammlern nachvollziehbar macht.

SOLID GROUND tourten wieder intensiv, mussten aber bald feststellen, dass Schweden für ihre Art von Musik zu dieser Zeit das falsche Pflaster war. Disco war angesagt und die Musiker wollte das Risiko nicht eingehen, es im Ausland zu versuchen. So trennte sich die Band bald und die Musiker sollten sich für knapp 30 Jahre komplett aus der Musikszene zurückziehen. Dazu kommen wir später noch.

Man kann durchaus behaupten, dass SOLID GROUND eine der härtesten schwedischen Bands aus dieser Zeit sind. Hört man sich das Album an so kann man eigentlich nicht glauben, dass die Band nur eine so kurze Zeit existierte, da auch das Songwriting weit über dem Durchschnitt anzusiedeln ist. „Made in Rock“ verdient das Prädikat Proto-Metal mehr als viele andere Alben aus der Zeit. Die Band spielt hier harten Rock, unbekümmert, frisch, heftig und mit unglaublicher Energie.

„Saturday Rae“ mit dem Beititel „Handrock“ zeigt als Einstieg gleich in welche Richtung das Ganze gehen soll. Heftiger Rock mit Punk/Glam-Einschlag. Der nächste Track „Just tell me“ beginnt verhaltener, geht dann aber über in einen sehr starken Rocker, dessen Refrain man nicht mehr aus den Gehörgängen bekommt. „This bloody Town“ ist textlich eine Art Abrechnung mit der Discoszene und echt ein Knaller, wenn auch nicht ganz so heftig wie die ersten beiden Tracks. Eher eine Ballade ist „Mata Hari“. Vom Sound her erinnert das Ganze etwas an ruhigen Southernrock, was hier aber nicht einfach abgekupfert klingt. „Oh Lord“ gibt wieder etwas mehr Gas und hat etwas von „London calling“ von THE CLASH, insbesondere durch den Gesang, geht später dann etwas in die Glamrichtung. Richtig groovig ist „Tombstone Kiss“. Fast schon Mainstream, geht schnell ins Ohr und in die Beine. „Rock'n Roller“ ist genau Das – Ein rockiger Song, Glam und Punkeinschläge wechseln sich und der Gitarrist geht auch heftig ab. Bei „16 Track“ weiß ich nicht so genau was ich davon halten soll. Auf der einen Seite schön heavy, auf der anderen Seite aber mit sehr seltsamen Sing a long-Parts. Aber wer weiß, was die Band bei den Aufnahmen eingeworfen hatte, zumal es ja im Text um eine 16 Spur-Aufnahme geht. Beim letzten Song des ursprünglichen Albums, schlicht nach der Band benannt fassen SOLID GROUND nochmal Alles zusammen, was ihren Sound ausmacht. Heavyrock, Glam, Punk, Southern usw. werden zu einem wilden Gebräu vermischt. Dazu bekommt man schöne Doppel-Leads serviert. Die Bonustrack-Abteilung startet mit „My Song“, dem A-Seiten-Track der ersten SOLID GROUND-Single. Glam-Rock ist angesagt, nicht schlecht, aber kein Überhammer. Die B-Seite, „Tell me“ist eine etwas härtere Version des Album-Tracks „Just tell me“ und genauso gut. „Inner Sin“ stammt von 2007. Die Band hatte nach knapp 30 Jahren mit dem neuen Sänger Kristian Andren wieder zusammengefunden um bei dem 20-jährigen Jubiläum des Mellotronen-Labels dabei zu sein. Das machte den Musikern soviel Spaß, dass sie vier neue Tracks aufnahmen. „Inner Sin“ ist richtiger Kracher, heavy, stampfend, so soll es sein. Mit „Man on the Run“ liefern SOLID GROUND einen groovigen Rocksong mit sehr einprägsamen Refrain ab. „Turkish Delight“ dürfte der heftigste Song der bisherigen Bandgeschichte sein. Schnell,mit harten Riffs, eigentlich schon Metal, sehr geil. Dafür fällt „Yes, No“ etwas ab. Liegt vielleicht auch daran, dass das Ganze nach den anderen Tracks etwas zu seicht rüberkommt. Kommen wir nun zu den letzten beiden Bonustracks Es handelt sich hierbei um die Single, die unter dem Namen 4-EVER aufgenommen wurden. „Tunnelbaneblue“ ist eher Glamrockstandard und klingt durch die schwedischen Texte auch etwas unfreiwillig komisch. Die wahnsinnige Berta ist da schon besser, ziemlich abgefahren. Der Track geht auch schon eher in die Richtung des späteren Sounds.


Eine kleine Randbemerkung noch. SOLID GROUND sind einer der wenigen Bands aus dieser Zeit, die ich schon live (Muskelrock 2009) erleben durfte. Die alten Herren hatten da auch sichtlich Spaß.

Ich denke mal, dass Jedem klar ist, dass mir nicht die Original-LP vorliegt. Ich habe hier das sehr gute 2007er CD-Reissue im Digipack vom Mellotronen vorliegen, das mit ACHT Bonustracks den Fan erfreut. Es gibt zwar noch frühere Re-Issues vom gleichen Label, allerdings ohne die Bonustrack, deshalb empfehle ich auf alle Fälle, nach der 2007er Veröffentlichung zu suchen. Eine Japan-CD mit den Bonustracks gibt es auch. Es existiert auch ein Vinyl-Reissue ohne die Bonustracks. Dies scheint wohl ein Bootleg zu sein. Eine Picturedisc taucht auch ab und an auf, diese soll allerdings von Record Heaven offiziell lizensiert sein. Für die Original-Fanatiker sei gesagt – Wenn die Original-LP überhaupt mal auftaucht, dann muss man tief in die Tasche greifen und so zwischen 500 und 1000 Euronen auf den Tisch blättern.


Freitag, 14. November 2014

Canada rocks: Moxy - Part Two 1977 - 2009

Im März 1977, nachdem MOXY seit Erscheinen des zweiten Albums ununterbrochen auf Tour waren, kehrte die Truppe nach Toronto zurück um ihr drittes Album in Angriff zu nehmen. Erneut mit Jack Douglas an den Reglern entstand „Ridin' High', bei dem die Band den Härtegrad massiv anzog.
Das Album erhielt auch wieder gute Kritiken. Leider wurde das Airplay weniger. Zum Teil lag das sicher am härter gewordenen Sound von MOXY, zum Anderen aber auch an der neuen „Marschrichtung“ bei den kanadischen und amerikanischen Radiostationen. Diese setzten jetzt mehr auf sanfteren Rock. Weiter unterstützt wurden sie aber wieder von dem bereits angesprochenen Kiss-FM aus Texas. Joe Anthony verschaffte der Band drei Headlinerauftritte in Austin, San Antonio und Corpus Christi. Als Support für die drei Termine wurden AC/DC gebucht. Im Anschluss ging die Tour unter anderem nach Kalifornien und Michigan wo MOXY unter anderem mit den RAMONES, STYX, RAINBOW und TROOPER spielten.Die Tour endete mit einer Headlinershow in Toronto.

„Ridin' High“ ist trotz der angezogenen Härte ein eher schwaches Album. Meiner Meinung nach zeichneten sich hier schon die kommenden Schwierigkeiten innerhalb der Band ab. Mir persönlich gefallen nur zwei Songs richtig gut, „Another Time, another Place“ sowie „“Are you ready“.

Das intensive Touren hinterlies Spuren bei den Bandmitgliedern. Buzz Shearman bekam massive Stimmprobleme, so das ab und an der Soundmann Brian Maxim einspringen musste. Zudem hatte Shearman ein Alkoholproblem, was ihn dazu veranlasste, nach der „Ridin' High“-Tour seinen Abschied von der Band zu nehmen, da er diese Probleme wieder in den Griff bekommen wollte.

Als neuer Sänger kam Michael Rynoski zu MOXY, besser bekannt unter dem Namen Mike Reno, der ja später die Vocals bei Loverboy übernahm. Auch an den Drums gab es einen Wechsel. Bill Wade verließ die Band Ende 1977, für ihn kam Danny Bilan, der einige Jahre später bei HANOVER FIST und WILD T AND THE SPIRIT landete. Mit diesen Neuzugängen wurde „Under the Lights“ aufgenommen.
Um wieder mehr Airplay zu bekommen, nahm die Band wieder etwas Härte aus dem Sound, was dazu führte, dass die Band auf der folgenden Tour und den Festivalshows (u.a. mit AEROSMITH und TRIUMPH) das Publikum nicht mehr so begeistern konnte wie zu den Anfangszeiten. Aufgrund der neuen Ausrichtung der Band verließ schmiss nun auch Earl Johnson seinen Posten bei MOXY hin.Er wurde durch Woody West ersetzt, der früher bei BRUTUS spielte. Buzz Shearman indessen hatte mittlerweile eine andere Band namens BUZZSAW gegründet.

Ich finde „Under the Light“ insgesamt besser als „Ridin' High“. Insbesondere der Titeltrack, „Maybe i'm a Dreamer“ und „Highschool Queen“ sind tolle Rocksongs. Ein kleines Rätsel gibt es noch - Das Album wurde auch unter dem Titel „Thinking about you“ veröffentlicht, aber hier nicht nur unter MOXY sondern unter MIKE RENO & MOXY.
Warum, wieso, weshalb habe ich noch nicht rausgefunden. Angeblich erschienen beide Versionen gleichzeitig.

Danach war bei MOXY eine Pause angesagt. Reno ging wie schon erwähnt zu LOVERBOY. Terry Juric nutzt die Pause um bei THOR das Album „Keep the Dogs away“ mit einzuspielen. Auch die anderen Bandmember tauchten auf diversen Alben auf.

Ende 1979 kam Buzz Shearman zu MOXY zurück. Die Band spielte eine kleine Tour in Kanada und Texas. Dabei war hier auch der neue Gitarrist Doug MacAskill. Da nichts mehr richtig lief, machte die Band eine erneute Pause. Im Frühjahr 1980 tat sich für Buzz Shearman eine große Chance auf-Er war einer der Kandidaten um nach dem Tod von Bon Scott der neue Sänger von AC/DC zu werden. Aufgrund der immer noch auftretenden Stimmprobleme musste Shearman auf diesen Posten verzichten. Um nicht gänzlich aus dem Gedächtnis zu verschwinden unterstützten die Musiker eine gute Freundin bei ihrem Debut-Album. Diese gute Freundin war LEE AARON. Nebenbei arbeitete Shearman in einem normalen Job um die Band weiterführen zu können und lies nichts unversucht um einen neuen Plattenvertrag für MOXY zu bekommen. Das vorläufige „Ende“ für Moxy kam als Buzz Shearman im 1983 im Alter von 33 bei einem Motorradunfall ums Leben kam.

Die restlichen Mitglieder fanden sich zusammen um in Eigenregie noch eine Platte aufzunehmen. Die Einnahmen sollten der Witwe und dem Sohn von Shearman zu Gute kommen. Das Album erschien 1984 unter dem Namen „A Tribute to Buzz Shearman“ und enthielt auch einige ältere Stücke, die Shearman vor seinem Tod noch eingesungen hatte.
Danach war erstmal Schluss bei MOXY. Die verbliebenen Bandmitglieder tauchten bei diversen kanadischen Gruppen auf, von denen nur die BUDDY CAINE BAND einen gewissen Erfolg verzeichnen konnte.

Zwischen 1984 und der Re-Union 1999 gab es nur 1993 ein kurzes Lebenszeichen von MOXY. Es erschien die Compilation „The Best of Moxy-Self Destruction“. In Deutschland wurde die Band in dieser Zeit auch „wiederentdeckt“, insbesondere in den Rockclubs hörte man wieder Songs von den ersten beiden Alben. Das lag wohl daran, dass damals eine Reihe populärer Bootleg-Sampler veröffentlicht wurden auf denen diverse Stücke von MOXY enthalten waren. Einigen werden die „Munich City Nights“-Sampler bestimmt noch kennen.



1999 trommelte Bill Wade die Band wieder zusammen. Als Sänger stieg Brian Maxim ein, der Buzz Shearman ja schon bei der „Ridin' High“-Tour wegen seiner Stimmprobleme aushalf. 2000 spielte die Band zum 25-jährigen Bandjubiläum eine Show in San Antonio zusammen mit SAXON. Im Heimstudio von Bill Wade nahm die Band anschließend das schlicht mit „V“ betitelte Album auf, das 2001 erschien und eine Rückbesinnung auf den frühen Sound von MOXY war.
Wade erkrankte kurz nach der Veröffentlichung von „V“ schwer und starb im Juli 2001 im Alter von 53.

„V“ ist neben dem Debut mein persönliches Lieblingsalbum der Band. Mit „Yucatan Man“, „Nitro Love“ und „Working Man“ beinhaltet das Album drei absolute Kracher, aber auch der Rest ist richtig guter Hardrock, teilweise mit der Tendenz zum Metal. (Das abgebildete Cover gab es nur in Europa, das Cover für die USA und Kanada war in schlichtem Grau gehalten mit dem MOXY-Logo in rot)

2002 wurde das bisher letzte Album aufgenommen. Es handelt sich hierbei um ein Best of-Liveset, dass in einem alten Warenhaus vor einem geladenen Publikum aufgenommen wurde. Danach löste sich die Band zwar nicht offiziell auf, aber es gab aber nur noch vereinzelte Auftritte. 2009 soll eine Single namens „You can't stop the Music“ veröffentlicht worden sein, einem alten Track, den noch Buzz Shearman eingesungen hat. Gleichzeitig wurde wohl auch eine DVD veröffentlicht, die die Geschichte der Band beleuchtet. Leider besitze ich Beides nicht. Ob auf dieser DVD auch der einzige, jemals komplett mitgefilmte Gig von MOXY aus dem Jahr 2001 enthalten ist, ist mir leider nicht bekannt.


Die nächste Runde „Canada rocks“ ist in Vorbereitung. Ich habe mich noch nicht endgültig für eine Band entschieden, da ich noch auf auf Rückantworten warte. Ich kann nur soviel verraten - Female Fronted.



Dienstag, 11. November 2014

Canada rocks: Moxy - Part One 1974-1976

Bevor ich beginne muss ich anmerken, dass die Idee hinter dem Ganzen ursprünglich einen anderen Ansatz hatte. An sich wollte ich nur einen groben Überblick über die kanadische Rockszene, abseits von Rush, Anvil und Co bieten. Durch eine Mail und einen Kontakt , die mich über Facebook erreicht haben wurde mir aber schnell klar, das ein grober Überblick das falsche Ziel wäre. Dazu kommt noch, dass ein bestimmtes Magazin gefühlt in jeder Ausgabe zehn Seiten dem Herrn Bonamassa widmet, es aber nicht schafft, etwas über die kanadische Szene zu schreiben was auch nur den Umfang einer Randnotiz übertrifft.

Ich habe das Konzept jetzt umgeworfen und werde unter dem Oberbegriff „Canada rocks“ regelmäßig eine Band aus dem Land des Ahornblatts vorstellen. Ich wähle nur Bands aus, mit deren Material ich vertraut bin und die in Deutschland bzw. Europa nie einen großen Status erreichten, in ihrem Heimatland aber schon recht bekannt waren. Persönliche Kontakte zu bzw. Interviews mit ein paar der Szeneprotagonisten sollen das Tüpfelchen auf dem i werden. Zu den einzelnen Alben werde ich allerdings nur eine kurze Meinung abgeben. Sollte die History einer Band recht umfangreich sein, werde ich die Artikel aufteilen.

Die erste Band, die hier Einzug findet, dürfte zumindest dem Namen nach einigen Leuten bekannt sein.

MOXY entstanden 1974 in Toronto aus den Überresten von LEIGH ASHFORD, einer Band, die von 1966 bis 1974 existierte und bei der neben den noch zu nennenden Moxy-Membern auch Greg Godovitz (später bei GODDO) und Gil Moore (später bei Triumph) mitmischten.
Dass Ur-Lineup von MOXY bestand aus Sänger Buzz Shearman, Gitarrist Earl Johnson sowie Terry Juric am Bass und Bill Wade an den Drums. Es gab immer wieder Gastspiele von anderen Musikern, zuviel um Alle aufzuführen. Erwähnenswert sind auf alle Fälle Mike Reno (LOVERBOY), Woddy West (STAMPEDERS), Doug MacAskill (STAMPEDERS & ARROWS), Alex Machin (A FOOT IN COLD WATER &CHAMPION) sowie Russel Graham (KILLER DWARFS)

Die Aufnahmen für das erste selbstbetitelte Album, auch „I“ oder „Black“ genannt, fanden allerdings nicht in der Heimat der Band sondern 1975 in Kalifornien statt, nachdem die Band aufgrund ihrer LEIGH ASHFORD-Vorgeschichte einen Vertrag bei Polydor bekam.
Während der Aufnahmen kam es zu einer netten Anekdote. Ein gewisser Tommy Bolin (Ja, genau der) übernahm einen Teil der Gitarrenparts, (primär die Solos) die Earl Johnson eigentlich alleine einspielen sollte. Johnson legte sich nämlich mit Produzent Mark Smith an und der schmiss ihn kurzerhand aus dem Studio. Die Band war beeindruckt von dem Sound, den zwei Gitarren bei einer Aufnahme ausmachten und holten sich nach ihrer Rückkehr nach Toronto Buddy Caine, einen ehemaligen Bandkollegen von Johnson ins Boot. Ursprünglich wollten sie ihn nur für die anstehende Tour engagieren um den „fetten“ Doppelgitarrensound auch auf der Bühne zu haben, er wurde dann aber festes Mitglied der Band. MOXY tourten erst intensiv durch Kanada und hatten im Herbst 1975 einen kleinen Hit in ihrer Heimat mit dem Song „Can't you see i'm a Star“. Da der Song sich immer weiter verbreitete und nun auch in den USA massives Airplay bekam, wurde die Tour dort fortgesetzt. Große Unterstützung bekamen sie dabei auch von dem Radio-DJ Joe Anthony von Kiss_FM aus San Antonio,
bei dem sie auf der US-Tour auch einen Interview-Termin hatten. Angeblich stellte Earl Johnson an Joe Anthony die Frage, welche Songs er denn vom Moxy Debut spielen würde und Anthony antwortete 'Zuerst spielen wir die eine Seite, dann die Andere'. Das führte dazu, dass die Songs „Moonrider“, „Fantasy“ und „Sail on, sail away“ lange Zeit in der Top 20 von Kiss-FM verblieben. Joe Anthony unterstützte die Band danach auch weiterhin, aber dazu kommen wir noch.

Das intensive Touren zahlte sich für die Band aus. Nicht nur das die Band mittlerweile gößere Headlinerkonzerte geben konnt, auch der Vertrag mit Polydor wurde verlängert, das Debut wurde wiederveröffentlicht, diesmal mit Mercury für den weltweiten Vertrieb.

Das MOXY-Debut kann man ohne Frage als großartiges 70er Hardrock Album bezeichnen. Die Erfahrung, die die Bandmember durch ihre Vorgeschichte schon hatten, merkt man dem Album an jeder Ecke an. Herausragend sind für mich „Moonrider“ und mein persönlicher Hit „Sail on, sail away“.

1976 nahm die Band ihr zweites Album, schlicht „II“ betitelt in Angriff. Diesmal fanden die Aufnahmen aber in der Heimat der Band statt, in den Soundstage-Studios in Toronto. Als Produzent fungierte Jack Douglas, der auch schon für AEROSMITH tätig war.
Durch den jetzt bestehenden, weltweiten Vertrieb erregte die Band auch international Aufmerksamkeit, nicht nur im Radio, auch Magazine äußerten sich sehr wohlwollend über die Band. Das britische Magazin „Sounds“ , insbesondere der Redakteur Geoff Barton waren so begeistert von MOXY, dass es seinen Lesern ermöglichte, das Album für den Preis von nur 1,50 britischen Pfund zu erwerben.
MOXY gingen wieder auf Tour. Zuerst wieder in Kanada wo sie, Ontario, Quebec und andere Teile von Kanada bereisten. Danach ging es nach Texas, als Opener für BLACK SABBATH und BOSTON. Und wieder schafften es einige Tracks des Albums, darunter „Midnight Flight“ und „Take it or leave it“ bei vielen Radiostationen in die höchsten Ränge.

„II“ ist ein gutes Album geworden, auch wenn ich sagen muss, dass ich es persönlich nicht so stark wie das Debut finde. Herausragend sind für mich „Midnight Flight“ und „Wet Suite“, es fehlen aber so starke Songs wie „Sail on, sail away“ wie auf dem Debut.

Im nächsten Teil stolpern wir über Namen wie AC/DC und die RAMONES und erleben, wie die Band durch den Weggang ihres Sängers, durch das intensive Tourleben und aus anderen Gründen die ersten Rückschläge erlebt.




Sonntag, 9. November 2014

THE PETARDS oder Wie hessischer Beat zum Förderer des deutschen und internationalen Progrocks wurde.

Vorab: Der Artikel spiegelt einfach meine Meinung zu der ganzen Thematik wieder und ist das Ergebnis meiner eigenen Recherchen und Erfahrungen sowie von Gesprächen, die ich führen konnte. Ob Experten (wirkliche oder selbsternannte) das Thema genauso sehen, ist mir herzlich egal.

Macht man sich auf die Suche nach den Ursprüngen der deutschen Rockmusik bzw. der Rockszene, so findet man oft nur zwei Meinungen. Zum Einen, dass es vor Entstehung des sogenannten Krautrock überhaupt keine deutsche Rockszene bzw. Rockmusik gab, zum Anderen, dass es so etwas wie die deutsche Rockmusik eh nicht gibt und gab, da sowieso Alles von den Engländern und Amerikanern abgekupfert war. Meiner bescheidenen Meinung nach ist Beides absoluter Humbug. Denn auch die die englische bzw. amerikanische Rockmusik war ja auch schon abgekupfert, wie wir alle wissen,. (Wer es nicht weiß wird zu zwei Wochen Robert Johnson am Stück verdonnert!!!)
Was man allerdings zugeben muss, dass es Rockmusik in Deutschland, insbesondere in den frühen Jahren, schwerer hatte als Anderswo. In der Nachkriegszeit war einfach kein Platz für, bitte alle Political Correctness-Freaks jetzt wegsehen, Neger oder auch entartete Musik. Swing und Big Band Sound von Leuten wie Glenn Miller lies man gerade noch gelten, seichte Schlager waren total in (ok, irgendwie hat sich daran nichts geändert) aber Rockmusik war dem deutschen Durchschnittsbürger ein Greuel. (Daran hat sich aber auch nicht viel geändert.) Für Interessierte war es auch schwer an Rockmusik, egal woher, überhaupt ran zukommen. Platten zu bekommen war schier unmöglich, also lauschte man heimlich oder auch offen AFN, der immer das Neueste an Musik über den Äther schickten.

Nur wenige deutsche Rockmusiker bzw. Bands erhielten in dieser Zeit Anerkennung in Deutschland. Meistens fallen die Namen THE RATTLES oder THE LORDS. Keine Frage, THE RATTLES und insbesondere ACHIM REICHEL waren und sind für die Entwicklung der deutschen Rockszene immens wichtig und deren Einfluss will ich hier nicht schmälern. Eine ganz wichtige Band wird aber nur extrem selten genannt. THE PETARDS, um die es hier auch primär gehen soll. Warum die Truppe so wichtig war, wird noch ausführlich erläutert.

Es begann Alles Anfang der 60er Jahre in einem Gymnasium in Schwalmstadt. (Hessen). Die Brüder Klaus und Horst Ebert, die beide das Gymnasium besuchten, spielten mit weiteren Schulkameraden in einer Band namens Magic Stompers, die primär Free Jazz spielte. Im Zuge der aufkommenden Beatwelle und nachdem der Bassist Rüdiger Waldmann Ende 1962 zur Band stieß folgte man dieser neuen Richtung. 1964, nun mit Drummer Hans-Jürgen Schreiber als Neuzugang, nannte man sich in THE PETARDS (was aus dem französischen kommt und Knallfrosch oder auch einfach Krach bedeutet) um. Angeblich hat Horst Ebert den Namen in einem Lexikon gefunden.

Eines ihrer ersten Konzerte als THE PETARDS brachte der Band gleich Ärger ein. Vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt mussten sie sich wegen Lärmbelästigung verantworten. Die Beweisführung des Richters ist legendär. Die Band musste mit ihrem Equipment im Gerichtssaal aufspielen. Aufgrund des -unerträglichen Gedröhns- das man dann im Gebäude hörte wurde der Truppe eine Strafe von 50,- DM aufgebrummt, da man die Lärmbelästigung als bewiesen erachtete.

Die erste Single mit Eigenkompositionen spielte die Band 1966 in der schulfreien Zeit ein. Neben den immer zahlreicher werdenden Gigs hatte die Band auch erste Interviewtermine im Radio. Mit der kurz darauf erschienenen zweiten Single stieg der Bekanntheitsgrad weiter und THE PETARDS bekamen ihren ersten Fernsehauftritt im ZDF bei der sie ihre dritte Single namens „Shoot me up to the Moon“ präsentierten.



 Anfang 1967 stieg Hans-Jürgen Schreiber aus und wurde umgehend durch Franz Binder ersetzt. Franz Binder war aber auch nur ein paar Wochen in der Band, bis mit Arno Dittrich dann der „endgültige“ Drummer der Band gefunden wurde. Kurz darauf traten THE PETARDS bei einem Nachwuchswettbewerb des Südwestfunks auf, dessen Gewinn den Musikern die Aufnahme einer LP ermöglichte. Die Aufnahmen entstanden im Studio Maschen, als Produzent war Joe Menke tätig, der Gründer des Studios. Das Album „A Deeper Blue“ erschien im November 1967 auf dem Europa-Label und kostete nur 5,- DM, was marketingtechnisch nicht das Dümmste war, da LP's normalerweise 18-20 deutsche Mark kosteten. So griffen mehr Leute zu der LP und die Band steigerte ihren Bekanntheitsgrad noch mehr. Gleichzeitig landete die „Shoot me up to the Moon“-Single bei diversen Radiostationen auf Platz 1 und die nachgeschobene Single namens „Golden Glass“schaffte dies auch mühelos.

Bevor es mit der Story weitergeht ein paar Worte zum Debut der PETARDS. Ich habe das Original auf dem Europalabel vorliegen und man muss Joe Menke wirklich ein Lob aussprechen. Er hat für das nicht gerade üppige Budget eine tolle und klare Produktion fabriziert, was in den 60ern nicht gerade selbstverständlich war. Zudem ist auch das Songmaterial wirklich gut und muss sich nicht vor internationalen Größen verstecken, so dass selbst Leute, die mit Beat wenig anfangen können, mal ein Ohr riskieren sollten.


Eines hatte die Band früh erkannt – Nicht nur die Musik war wichtig sondern auch die Präsentation des Ganzen. Sie nutzten alle Möglichkeiten die sie fanden um ihre Musik bei Liveshows auch visuell zu unterstützen, sei es durch extravagante Kostüme oder aufwendige Bühnenbilder mit diversen Lichteffekten, was damals schone in Unikum darstellte und später ja von vielen Bands, insbesondere im progressiven Bereich, übernommen wurde.

1968 wechselte die Band die Plattenfirma, da das Europa-Label zwar das Sprungbrett für THE PETARDS war, aber nicht über weitreichende Vertriebswege wie die großen Labels verfügte. Das Label der Wahl wurde Liberty, wo 1968 das zweite, schlicht „The Petards“ betitelte Album erschien. Von diesem Album stammt auch ihr erster richtiger Nummer 1-Hit namens „Pretty Liza“. Im Zuge der Veröffentlichung tourte die Band durch Deutschland und auch durch die damalige CSSR, was ja zu der Zeit nicht unbedingt der gängigen Praxis entsprach. 1969 wurden THE PETARDS in einer Umfrage des Musikexpress zur besten Nachwuchsgruppe gewählt und das Album schaffte es in der Umfrage auf Platz 5.

Noch bevor das dritte Album in Angriff genommen wurde, leisteten sich die Musiker etwas, was bis zu diesem Zeitpunkt wohl kaum eine Band gemacht hat. Unter dem Pseudonym ZONK veröffentlichten sie eine komplette LP, auf der sie Songs von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL coverten. Die LP trägt den Titel „Creedence Clearwater Revival Hits done by a Group called Zonk“. Das Album wurde weltweit veröffentlicht. (Wie sich einige denken können hab ich mich schon auf die Suche nach dem Ding gemacht.) Während der Aufnahmen zum dritten Album nahmen sie nochmals zwei Singles mit CCR-Coverversionen auf, diesmal unter dem Pseudonym FLITTER MOUSE.

Das dritte Album namens „Hitshock“ das die Band von einer etwas heftigeren und progressiveren Seite zeigte erschien im Januar 1970. Einen kleinen Skandal verursachte das Cover, dass die Band mit einer blutüberströmten Schaufensterpuppe zeigte, allerdings zog das Ganze nicht so eine Geschichte hinter sich her wie das berühmte „Butcher“-Cover der BEATLES vom „Yesterday and Today“.-Album. Horst Ebert nahm kurz darauf ein Soloalbum auf, das aber dem Singer/Songwriter-Genre zuzuordnen ist und bei einer Auflage von 100 Stück getrost zu den seltensten Raritäten der deutschen Musik gezählt werden kann.


Mit der Singleauskopplung „Blue Fire Light“ konnten sich THE PETARDS auch erstmals außerhalb Deutschland in den Charts plazieren mit Top 10 Plätzen in den französischen und belgischen Charts.

Einige werden sich jetzt sicher schon fragen was das Ganze mit der Förderung des Progressiv-Rock zu tun hat. Keine Angst, dazu komm ich gleich.

Bevor die Truppe durch ihre Teilnahme an einem Musical ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufschlugen begründeten sie eines der weltweit dienstältesten und damit eines DER Festivals für progressive Musik überhaupt – Ja, THE PETARDS waren diejenigen die das Burg Herzberg-Festival ins Leben riefen und schon bei der ersten Ausgabe, das bereits 3 Tage andauerte konnte das Publikum Bands wie AMON DÜÜL II, GURU GURU und JERONIMO erleben.

Ende 1970 nahm die Band ihr nächstes Album auf, dass das letzte mit Gründungsmitglied Klaus Ebert sein sollte. Er verließ die Band nach den Aufnahmen für das Doppelalbum „Pet Arts“, hatte aber beruflich weiterhin mit Musik zu tun, da er als Labelmanager bei Metronome anfing.
 THE PETARDS veranstalteten die zweite Ausgabe des Burg Herzberg-Festivals mit Bands wie FRUMPY und EMBRYO, um sich danach auf die Suche nach einem neuen Gitarristen zu machen. Von Bewerbern schier überrannt entschied sich die Band für Bernd Wippich, (nach dem Ende der PETARDS bei RANDY PIE) der neben der Gitarre auch den Posten des Sängers übernahm. Mit ihm nahm die Band das Album „Burning Rainbows“ auf, dass eine weiterentwickelte Band zeigte, die neben dem progressiven Sound auch dem frühen Hardrock frönte. Leider fand sich keine Plattenfirma, die das Werk veröffentlichen wollte, da die Labels mal wieder der Ansicht waren, das Rock out sei und Disco jetzt der große Renner ist. Erst 10 Jahre nach Entstehung des Albums wurde „Burning Rainbows“ von dem Label Bear Family veröffentlicht. Die PETARDS versuchten es 1972 nochmal mit einer Single, die von den Plattenfirmen aber auch abgelehnt wurde. Da der große Durchbruch so nicht mehr zu schaffen war, löste sich die Band auf.

2004 reformierte sich die Band unter der Regie von Arno Dittrich überraschenderweise und THE PETARDS tourten wieder durch Deutschland. Aktuell existieren THE PETARDS auch noch, obwohl Horst Ebert und Bernd Willich beide 2014 im Abstand von nur wenigen Monaten verstorben sind.


Ich hoffe, dass ich dem geneigten Leser mit dem Artikel etwas Freude gemacht habe. Sollte ich irgendwann mal die anderen Alben der Band mein Eigen nennen können, (ich hoffe auf Re-Issues“ so werden Diese sicher im Sacred Metal-Blog auftauchen.