Samstag, 2. August 2014

Unisonic - Light Of Dawn


„Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug?“ Nope, es ist Super-Kiske! In schwindelerregende Höhen erhebt sich die seit den ollen Helloween-Tagen vermeintlich um keinen Tag gealterte Stimme (Geoff Tate: Anhören. Schämen.) des Altmeisters schon im phänomenalen Opener „Your Time Has Come“, der nach kurzem, fanfarenhaften Intro immerhin mal runde fünf Minuten lang auf „Eagle Fly Free“-Niveau den vermeintlichen „Keeper...“-Nachfolger antäuscht, der „Light Of Dawn“ auf Albumlänge aber natürlich wieder nicht geworden ist.


Das ist nicht verwunderlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass Saitenhexer Kai Hansen aufgrund diverser Terminverzögerungen im Gamma Ray-Lager – wir erinnern uns, ihm fackelte immerhin das heimische Studio ab – nicht im selben Maße am Songwriting teilnehmen konnte wie noch beim Erstling, was vor allem Bassist Dennis Ward in die Verantwortung zwang. Demnach finden wir wir nach dem erwähnten Opener mit dem bereits von der Single bekannten „For The Kingdom“ nur noch eine weitere wirkliche Speed-Hymne der ganz alten Schule, und auch dieser fehlen die bei Gamma Ray schon viel zu sehr zur Routine gewordenen Trullala-Automatismen. Beim Restprogramm handelt es sich zwar um Melodic Metal der Güteklasse A, dieser nimmt seine Inspiration aber ebenso mal so deutlich bei Hard Rock und AOR, wie ihn eher die Rhythmusgruppe in ihren alten Bands (Pink Cream 69, Place Vendome) zelebrierte.

Prinzipiell also keine Welten entfernt von dem, was auf dem selbstbetitelten Debüt für meinen Begriff von der Zielgruppe eher unterbewertet wurde (so ein „Throne Of The Dawn“ etwa knüpft mit seinem Oldschool-Hardrock im Fahrwasser von UFO&Co. nahtlos an den damaligen Hitkandidaten „We Rise“ an!). Den Unterschied macht in erster Linie die enorm spielfreudige, detailreiche Gitarrenarbeit der Herren Hansen und Meyer, die doch klar deutlicher als ehedem in Richtung Metal schielt und auch gerne mal für unerwartete Momente sorgt, wenn sie etwa das enorm ohrwurmige „Not Gonna Take Anymore“ mal spontan in epische Rainbow-Gefilde entführt. (Die Rhythmusgitarren allerdings könnten klar mehr Dreck vertragen!)

Dem in nichts nachstehen wollte offenbar ein hochmotivierter Michael Kiske, dessen Gesangsleistung nicht anders als überragend zu bezeichnen ist: „Night Of The Long Knives“ fordert die ansonsten blasphemischen Vergleiche mit Gott himself, John Arch, geradezu heraus; mit „Blood“ und „You And I“ liefert der Mann uns auch auf balladeskem Terrain wieder zwei Volltreffer auf „Your Turn“/“Longing“-Niveau – und im ungünstigsten Falle muss er halt mal ein aus der Werkstatt heraus eher mittelprächtiges Handwerk wie den flachen AOR-Verschnitt von „I Want Out“, der „Manhunter“ nun mal leider ist, im Alleingang in den grünen Bereich singen. Auch das gelingt, dennoch wäre die tolle B-Seite „You Come Undone“ an dieser Stelle wohl die bessere Wahl gewesen.

Wie auch immer: „Light Of Dawn“ ist bisher das Melodic Metal-Ereignis des Jahres. Zugreifen! (EZ)

Label: ear-music/edel
Veröffentlichung: 01.08.2014

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