Donnerstag, 27. November 2014

70's Heavies: Solid Ground - Made in Rock

Unser Reise in die 70er führt uns nach Schweden und zu einem „heiligen Gral“ für Sammler des Genres.

Die Geschichte von SOLID GROUND beginnt Mitte der 70er in Solna (Stockholms Län, also im Bezirk Stockholm), allerdings unter dem Namen 4-EVER. Die beiden Gitarristen und Sänger Gösta Hjelmqvist und Tobbe Benckert wollten unbedingt eine Band an den Start bringen und nachdem Anders Berge an den Drums und Cary Lindfors am Bass dazustießen, war das Lineup komplett. Obwohl die Truppe noch keinen Livegig gespielt hatte und im Prinzip nur im Proberaum existierte gingen die Musiker ziemlich bald ins Studio um eine Single aufzunehmen. Sie entdeckten nämlich in einer Zeitung eine Anzeige des HZ-Studios, das kurz zuvor von Hans Östlund (der in den 60ern in der zumindest in Schweden relativ bekannten Beatband HEP STARS Keyboard gespielt hatte) eröffnet wurde. Da er gleichzeitig ein kleines Label gründete (Scam Records) war er auf der Suche nach Bands und bot Aufnahmen zu sehr günstigen Preisen an. Die Band nahm die Songs „Tunnelbane Blues“ und „Vansinniga Berta“ für die Single auf, die in einer Auflage von 200 Stück gepresst wurde und dementsprechend so gut wie nicht zu finden ist. Auch blieb es die einzige Veröffentlichung von 4-EVER.

Cary und Tobbe mussten kurz nach den Aufnahmen ihren Militärdienst antreten und verließen die Band somit. Nachdem mit Björn Uhr an der Gitarre und Peter Eklund am Bass Ersatz gefunden wurde, nannte sich die Band in SOLID GROUND um. Der Namenswechsel ging auch gleich mit einer Änderung des Musikstils einher, der rockiger und heavier wurde.

Mitte 1975 begab sich die Band wieder in ein Studio um die Single „My Song/Tell me“
aufzunehmen. Obwohl SOLID GROUND sich nicht erneut für das Studio von Hans Östlund entschieden betreute er die Aufnahmen als Produzent und war auch für den Endmix zuständig. Diese Single wurde auch wieder nur in einer Auflage von 200 Stück veröffentlicht.

Anschließend begann die Band regelmäßig zu touren, meistens jedoch mit Truppen, die einen ähnlichen Status innehatten. Erwähnenswert ist hier vielleicht FRIENDSHIP TIME, deren einziges Album bis vor ein paar Jahren unveröffentlicht blieb.

Ende 1976 hatten SOLID GROUND genügend Material zusammen um ein Album aufzunehmen.
„Made in Rock“, dass das einzige Album der Band bleiben sollte, wurde in nur zwei Tagen aufgenommen, wobei hier ein Tag auf die Aufnahmen, der andere Tag für den Endmix genutzt wurden. Hans Östlund war hierfür wieder zuständig. (Während der Aufnahmen nutzte die Band ein Instrument namens Orchestron, dass wohl Ähnlichkeiten zu einem Mellotron hat. Viel ist über das Ding nicht bekannt, es soll aber mit einem anderen Prinzip gearbeitet haben.) Das Album wurde bald nach den Aufnahmen veröffentlicht, aber, man kann es schon erraten-die Auflage betrug wieder nur 200 Stück, was den „Holy Grail“-Status unter Sammlern nachvollziehbar macht.

SOLID GROUND tourten wieder intensiv, mussten aber bald feststellen, dass Schweden für ihre Art von Musik zu dieser Zeit das falsche Pflaster war. Disco war angesagt und die Musiker wollte das Risiko nicht eingehen, es im Ausland zu versuchen. So trennte sich die Band bald und die Musiker sollten sich für knapp 30 Jahre komplett aus der Musikszene zurückziehen. Dazu kommen wir später noch.

Man kann durchaus behaupten, dass SOLID GROUND eine der härtesten schwedischen Bands aus dieser Zeit sind. Hört man sich das Album an so kann man eigentlich nicht glauben, dass die Band nur eine so kurze Zeit existierte, da auch das Songwriting weit über dem Durchschnitt anzusiedeln ist. „Made in Rock“ verdient das Prädikat Proto-Metal mehr als viele andere Alben aus der Zeit. Die Band spielt hier harten Rock, unbekümmert, frisch, heftig und mit unglaublicher Energie.

„Saturday Rae“ mit dem Beititel „Handrock“ zeigt als Einstieg gleich in welche Richtung das Ganze gehen soll. Heftiger Rock mit Punk/Glam-Einschlag. Der nächste Track „Just tell me“ beginnt verhaltener, geht dann aber über in einen sehr starken Rocker, dessen Refrain man nicht mehr aus den Gehörgängen bekommt. „This bloody Town“ ist textlich eine Art Abrechnung mit der Discoszene und echt ein Knaller, wenn auch nicht ganz so heftig wie die ersten beiden Tracks. Eher eine Ballade ist „Mata Hari“. Vom Sound her erinnert das Ganze etwas an ruhigen Southernrock, was hier aber nicht einfach abgekupfert klingt. „Oh Lord“ gibt wieder etwas mehr Gas und hat etwas von „London calling“ von THE CLASH, insbesondere durch den Gesang, geht später dann etwas in die Glamrichtung. Richtig groovig ist „Tombstone Kiss“. Fast schon Mainstream, geht schnell ins Ohr und in die Beine. „Rock'n Roller“ ist genau Das – Ein rockiger Song, Glam und Punkeinschläge wechseln sich und der Gitarrist geht auch heftig ab. Bei „16 Track“ weiß ich nicht so genau was ich davon halten soll. Auf der einen Seite schön heavy, auf der anderen Seite aber mit sehr seltsamen Sing a long-Parts. Aber wer weiß, was die Band bei den Aufnahmen eingeworfen hatte, zumal es ja im Text um eine 16 Spur-Aufnahme geht. Beim letzten Song des ursprünglichen Albums, schlicht nach der Band benannt fassen SOLID GROUND nochmal Alles zusammen, was ihren Sound ausmacht. Heavyrock, Glam, Punk, Southern usw. werden zu einem wilden Gebräu vermischt. Dazu bekommt man schöne Doppel-Leads serviert. Die Bonustrack-Abteilung startet mit „My Song“, dem A-Seiten-Track der ersten SOLID GROUND-Single. Glam-Rock ist angesagt, nicht schlecht, aber kein Überhammer. Die B-Seite, „Tell me“ist eine etwas härtere Version des Album-Tracks „Just tell me“ und genauso gut. „Inner Sin“ stammt von 2007. Die Band hatte nach knapp 30 Jahren mit dem neuen Sänger Kristian Andren wieder zusammengefunden um bei dem 20-jährigen Jubiläum des Mellotronen-Labels dabei zu sein. Das machte den Musikern soviel Spaß, dass sie vier neue Tracks aufnahmen. „Inner Sin“ ist richtiger Kracher, heavy, stampfend, so soll es sein. Mit „Man on the Run“ liefern SOLID GROUND einen groovigen Rocksong mit sehr einprägsamen Refrain ab. „Turkish Delight“ dürfte der heftigste Song der bisherigen Bandgeschichte sein. Schnell,mit harten Riffs, eigentlich schon Metal, sehr geil. Dafür fällt „Yes, No“ etwas ab. Liegt vielleicht auch daran, dass das Ganze nach den anderen Tracks etwas zu seicht rüberkommt. Kommen wir nun zu den letzten beiden Bonustracks Es handelt sich hierbei um die Single, die unter dem Namen 4-EVER aufgenommen wurden. „Tunnelbaneblue“ ist eher Glamrockstandard und klingt durch die schwedischen Texte auch etwas unfreiwillig komisch. Die wahnsinnige Berta ist da schon besser, ziemlich abgefahren. Der Track geht auch schon eher in die Richtung des späteren Sounds.


Eine kleine Randbemerkung noch. SOLID GROUND sind einer der wenigen Bands aus dieser Zeit, die ich schon live (Muskelrock 2009) erleben durfte. Die alten Herren hatten da auch sichtlich Spaß.

Ich denke mal, dass Jedem klar ist, dass mir nicht die Original-LP vorliegt. Ich habe hier das sehr gute 2007er CD-Reissue im Digipack vom Mellotronen vorliegen, das mit ACHT Bonustracks den Fan erfreut. Es gibt zwar noch frühere Re-Issues vom gleichen Label, allerdings ohne die Bonustrack, deshalb empfehle ich auf alle Fälle, nach der 2007er Veröffentlichung zu suchen. Eine Japan-CD mit den Bonustracks gibt es auch. Es existiert auch ein Vinyl-Reissue ohne die Bonustracks. Dies scheint wohl ein Bootleg zu sein. Eine Picturedisc taucht auch ab und an auf, diese soll allerdings von Record Heaven offiziell lizensiert sein. Für die Original-Fanatiker sei gesagt – Wenn die Original-LP überhaupt mal auftaucht, dann muss man tief in die Tasche greifen und so zwischen 500 und 1000 Euronen auf den Tisch blättern.


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