Samstag, 29. November 2014

Canada rocks: Wireless

Wir sind wieder Land des Ahorns.

Im Gegensatz zu MOXY dürften WIRELESS den Wenigsten bekannt sein. Wer sich Anfang der 90er viel in bayrischen Rockclubs rumgetrieben hat dürfte zumindest ein paar Songs kennen, auch wenn der Name nicht geläufig ist.

WIRELESS sind eine der Bands, bei denen das „The Third make it or break it“ wirklich passt, dazu später mehr.

Die Vorstellung der Band wird etwas kurz ausfallen, da die Infos recht spärlich gesät sind und der Bandmember, den ich ausfindig gemacht hatte, leider nicht auf Emails reagiert.

WIRELESS gingen aus der Band AUTUMN hervor. Hinter dem Namen standen die Australier Allan Marshall (Bass), Steve McMurray (Gitarre) und Glenn Beatson (Drums), die Mitte der 70er zuerst nach England und anschließend nach Kanada übersiedelten, da sie in ihrem Heimatland mit ihrer Musik keinen Fuß auf den Boden bekamen. In Kanada tourte die Band eine Weile mit LIGHTHOUSE bis sie dann irgendwann in Toronto hängenblieb. Dort stießen der Sänger Michael Lalonde und der Gitarrist Mike Crawford zu AUTUMN, die sich kurz darauf in WIRELESS umbenannten.
Nach relativ kurzer Zeit erhielt die Band einen Plattenvertrag mit Atlantic Records. Die Truppe ging ins Soundstage Studio in Toronto und nahm dort unter der Regie von Jack Richardson (produzierte unter Anderem THE GUESS WHO und ALICE COOPER) ihr selbstbetiteltes Debut auf. Das Album und die daraus ausgekoppelte Single „Spend the Night with me“ wurden relativ gut angenommen, von einem Erfolg kann aber nicht unbedingt die Rede sein.

Zum Debut ist zu sagen, dass es sich um ein recht gutes Rockalbum handelt. Herausragend ist auf alle Fälle „Lady Anne“, eine groovige Halbballade und die recht gelungene Coverversion von „Chain of Fools“.

Nach der Veröffentlichung des Albums gingen WIRELESS auf Tour, die nicht besonders erfolgreich war. Da auch die Verkäufe der Scheibe hinter den Erwartungen zurückblieben, verlor die Band den Vertrag mit Atlantic wieder. Ein weiterer Rückschlag kam, als Beatson wieder in seine alte Heimat zurückwollte. Aus diesem Grund verließ er die Band. WIRELESS lagen auf Eis wie man so schön sagt-Der Rest der Band verbrachte die kommenden Monate damit einen neuen Drummer zu suchen. Besetzt wurde der Posten dann schließlich mit Marty Morin, der vorher bei Goddo am Schlagzeug saß. Kurz darauf verabschiedete sich auch Lalonde von der Band. Die verbliebenen Musiker entschieden sich dann zu Viert weiterzumachen, mit Marshall als Sänger, der diesen Posten ja bereits bei AUTUMN innehatte. Man wollte nicht noch mehr Zeit verplempern um auch noch einen neuen Sänger zu finden.

WIRELESS holten sich einen neuen Manager namens Ray Danniels um schnellstmöglich ein neues Label zu finden. Dieses fanden sie in Anthem, das unter anderem auch RUSH und MAX WEBSTER betreute. Mit dem Produzenten Mike Tilka, dem ehemaligen Bassisten von MAX WEBSTER ging es ins Studio und das Zweitwerk „Positively Human, relativily Sane“ wurde aufgenommen. Zwei Songs darauf, „The Rut“ und „What you make it“ wurden von Marty Morin eingesungen. Das Album erhielt gute Kritiken und die Verkäufe waren ok, aber nicht überragend.

Wenn man sich das Album anhört wird man feststellen, warum das Album nicht Jedermanns Sache. An sich handelt es sich um sehr guten AOR/Hardrock, der aber, ähnlich wie bei RED RIDER, etwas sperrig ist. Aber genau das macht meiner Meinung nach die Klasse des Albums aus. Insbesondere das auf ein tolle Riffs aufbauende „No way out“, das coole „Hard Way“ und „461 Markham“ wissen zu gefallen.

Anthem war an sich zufrieden mit den Verkäufen und glaubte an die Band. Um WIRELESS noch den letzten Schub zum Erfolg zu geben, wurde für das nächste Album ein neuer Produzent engagiert. Anthem wollte jemanden, der bereits einen Namen in der Szene hatte. Bei diesem Produzenten handelt es sich um keinen Geringeren als Geddy Lee von RUSH. Mit ihm zusammen ging die Band in ein Studio in Quebec um ihr 80er „No Static“ einzuspielen.

Eigentlich standen alle Zeichen auf Erfolg. Ein bekannter Produzent, eine nicht mehr gänzlich unbekannte Gruppe und Anthem geizte auch nicht mit der Promotion. Trotz der ganzen Bemühungen schaffte es die ausgekoppelte Single namens“ Pay to Ride“ nicht einmal in die Top 30 und die Verkäufe des Albums blieben auch weit hinter den Erwartungen zurück. Dies war das Ende für WIRELESS.

Resigniert verließ Morin die Band anschließend um sich den reformierten GODDO anzuschließen. Die anderen Musiker zogen sich meines Wissens nach komplett aus der Musikszene zurück.

„No Static“ ist in Kanada heute so etwas wie ein Kultalbum und auch in Europa gilt die Scheibe als sträflichst unterbewertet. Wie so oft wurde die Klasse des Albums leider erst zu spät entdeckt.

Das Album ist härter als die anderen Scheiben und in Teilen auch etwas progressiv. Wirklich herausragend sind Songs wie „Go naked through the World“, „One of a Kind“, „East of the Sun, West of the Moon“ und der Überknaller „Journey of a possible Hero“.



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