Mittwoch, 17. Dezember 2014

70's Heavies: Bloody Mary - S/T

Eigentlich wollte ich hier ja nur Alben vorstellen, bei denen man zumindest eine kleine Hintergrundgeschichte schreiben kann. Leider ist das hier so gut wie unmöglich, da sich die wenigen Infos, die man findet, auch noch widersprechen. Das Album ist aber meiner Meinung nach so gut, dass ich es hier verewigen will. Für mich persönlich gehört die „Entdeckung“ dieses Albums zu den musikalischen Highlights 2014.

Einigermaßen gesichert scheint zumindest zu sein, dass das selbstbetitelte BLOODY MARY Album 1974 aufgenommen wurde. Es wird immer wieder behauptet, dass die Band aus dem Umfeld von SIR LORD BALTIMORE stammt, mit der Begründung,  John Garner (Drums und Vocals bei SLB) wäre an den Aufnahmen beteiligt gewesen. Dieser hat dies aber in einem Interview, das ich gefunden habe, verneint. Hier kommen aber auch wieder die Gerüchte auf, das er die Beteiligung verdrängt oder vergessen hat. Seis drum, wer jetzt wirklich hinter BLOODY MARY steckt, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben.

BLOODY MARY spielen Rock, nicht unbedingt heavy im Vergleich mit anderen Bands, aber mit viel Leidenschaft und Sinn für gute Songs.


„Dragon Lady“ ist ein groovender Rocker, der durch die Gitarrenläufe und die fiebrige Percussion etwas in Richtung frühe SANTANA geht, aber nicht unbedingt zum Latinorock zu zählen ist. Auf dem „Highway“ geht es in der Richtung weiter, wenngleich etwas progressiver. „Riddle of the Sea“ kann man einfach nur als wunderschön bezeichnen. Zu Beginn etwas folkig steigert sich das Ganze zu einem epischen Rocksong, der einfach nur großartig ist und einen verzaubert zurücklässt. Etwas Uriah Heep, aber auch 60er Beat (was einige veranlasst, das Album früher als 1974 zu datieren) entdeckt man bei „Free and easy“. Der Song lebt von Widersprüchen-auf der einen Seite einprägsamer aber ruhigerer Rock, auf der anderen Seite ein starker psychedelischer Einschlag im Mittelteil, der den Übergang zu einer heftigeren Variante des Einstiegs bildet. „You only got yourself“ hat wieder die fiebrige Atmosphäre wie Dragon Lady, ergänzt mit wilder Hammond-Performance und einem abgedrehten Drummer. Sehr groovig und leidenschaftlich. Der härteste Track des Albums ist „Can you feel it (Fire)“. Besonders der Drummer darf hier wieder ausrasten, aber auch der Gitarrist zeigt mit wenigen, aber wohl dosierten Riffs und Leads, was Sache ist. Dazu der emotionale Gesang, der sich durch das ganze Album zieht und auch mal erwähnt werden sollte. Den Abschluss des Albums bildet „I hear the Music playing“, ein anfangs etwas ruhigerer, mit viel Leidenschaft vorgetragener Song, der sich langsam in einen heftigen Rocker verwandelt und dann durch tolle Gitarrenarbeit und dem krassesten Gesang des Albums begeistern kann.


Die Scheibe ist wirklich eine vergessene Perle und wartet darauf von geneigten Hörern entdeckt zu werden. Bei Youtube kann man sich das ganze Album anhören.

Mir sind drei Versionen des Albums bekannt. Das Vinyl, dann eine CD von 1993, wobei es sich anscheinend um ein Bootleg handelt und eine Korea-CD auf dem Big Pink-Label, die im Mini Vinyl-Sleeve veröffentlicht wurde und relativ günstig zu bekommen ist. Die Original-LP ist recht selten, aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades kann man das Ding aber durchaus mal für 40,-€ bekommen.

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