Freitag, 30. Januar 2015

Kraut für Krauts: Birth Control - Operation

Vorweg: Auch wenn viele Krautrockbands vom Sound her auch in den 70s Heavies-Bereich passen würden, hab ich denen hier im Blog eine eigene Sparte gegönnt. Krautrock ist stilistisch einfach zu vielfältig, so das mit dieser Schritt nötig erschien.


Zu den bekanntesten Vertretern des Krautrock gehören sicher BIRTH CONTROL. (Auch wenn die Band bereits in der, ich sage mal, Prä-Krautrockära gegründet wurde).

1966 war das „Geburtsjahr“ für die Band, die aus dem Zusammenschluss zweier Berliner Truppen entstand. In dieser frühen Besetzung, in der die Band nur Coverversionen spielte, war auch noch der immer wieder zitierte Hugo Egon Balder dabei, der BIRTH CONTROL aber vor dem ersten Album verließ. Kleine Anmerkung am Rande-Man kann von HEB halten was man will, Ahnung von Musik hat er.

Nach gut zweieinhalb Jahre Tingeln durch Berliner Clubs erhielt die Band ein Angebot aus dem Libanon (?!) um drei Monate in einem Nachtclub in Beirut zu spielen. Nach der Rückkehr nach Deutschland hatten BIRTH CONTROL ihren Gitarristen, Reiner Borchert, verloren, der im Libanon geblieben ist. Als kurze Zeit später Sänger Fritz Gröger ausstieg und durch Bernd Noske(+2014) ersetzt wurde, begann die Band erstmals, eigene Stücke zu schreiben. Die Band beackerte wieder kleine Clubs in ganz Deutschland, und nahm bei einem kleinen Schlenker nach Wien 1970 dort die erste Single auf. Kurz darauf wurde auch das selbstbetitelte Debut veröffentlicht. Dieses Album verschaffte BIRTH CONTROL die Möglichkeit, als einzige deutsche Band beim Super Concert 70 neben Größen wie TEN YEARS AFTER und PROCOL HARUM zu spielen.

Das Debutalbum, insbesondere die Erstauflage, ist schon alleine aufgrund der Covergestaltung ähnlich legendär wie das Mülltonnencover des ELOY-Debuts.
Ihrem Namen entsprechend haben BIRTH CONTROL das Cover als Antibabypillen-Verpackung gestaltet, natürlich ist die echte Pille enthalten.

Nach einer Tour, die bis 1971 andauerte, begab sich die Truppe wieder in Studio um das nächste Album, „Operation“, aufzunehmen, auf das ich dann noch eingehen werden.

Ihren sicherlich größten Erfolg hatte die Band aber 1972 mit der Veröffentlichung von „Hoodoo Man“, insbesondere mit dem darauf enthaltenen Song „Gamma Ray“, der trotz einer Länge von fast zehn Minuten ein Hit, nicht nur in Deutschland, wurde.

Nun aber zu „Operation“, das mir persönlich besser als „Hoodoo Man“ gefällt, zumal „Gamma Ray“ wirklich schon tot gespielt wurde.


Mit „Stop Little Lady“ gelingt der Band ein Albumeinstieg nach Maß. Sämtliche Markenzeichen der Band (heftiges Schlagzeugspiel, harte, aber punktuell eingesetzte Gitarrenriffs, einprägsames Hammondspiel und allgemein ausufernde Instrumentalparts) werden hier zelebriert.“Just before the Sun will rise“, hat einen, ich will mal sagen, Westerntouch und erinnert von der Instrumentierung teilweise an Intrumentalbands wie THE SPOTNICKS. Geht extrem gut ab und ins Ohr. Mein persönlicher Fave der Band folgt mit „The Work is done“. (Das bei einem Beatclubauftritt fälschlicherweise mit „Give me Shelter“ angekündigt wird) Heavy und extrem einprägsam findet der Song immer wieder Eingang in meine Playlists. „Flesh and Blood“ zeigt auf, was Bernd Noske für ein geiler Sänger war. Dazu wieder heftiges Treiben sämtlicher Musiker, ein Killer! Das folgende „Pandemonium“ nimmt rein intrumental gesehen, schon etwas von „Gamma Ray“ vorweg. Hier hört man auch wieder, wie gut die Band das Songwriting sowie die Instrumentierung beherrscht. „Let us do it now“ fällt gegenüber den anderen Songs aus dem Rahmen, erinnert durch den Einsatz von Streichern etwas an frühe MOODY BLUES und klingt fast wie ein Soundtrack.

Noch etwas Trivia zu dem Album. Das Cover erzeugte auf zwei Arten einen Skandal. Das Originalcover, das den Papst und eine babyfressende, mutierte Heuschrecke zeigt wurde heftig diskutiert, aber seltsamerweiße nie zensiert. Für England wurde ein vermeintlich harmloseres Cover genutzt, dort weigerten sich die Mitarbeiter der Plattenfirma aber, die Platte zu verpacken, da sie das Cover anstößig fanden.
Es zeigt einen Aal in einem Kondom, was anscheinend von einigen Personen als stilisiertes Spermium angesehen wurde.

Es existieren mittlerweile zig Auflagen auf Vinyl und CD, hier sollte sich jeder selbst das für ihn beste Exemplar aussuchen. Für ein Erstauflagenoriginal muss man so um die 300 Euronen anlegen.

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