Donnerstag, 23. April 2015

70's Heavies - Birtha

Nach einer etwas längeren, krankheitsbedingten Pause geht es hier weiter.

Die nächste Vorstellung im Sacred Metal Blog nimmt sicherlich eine Sonderstellung in den 70's Heavies ein, gelten BIRTHA doch als erste Rockband , die nur aus Frauen bestand.

Die drei kalifornischen Freundinnen Shele Pinizzotto (Gitarre), Rosemary Butler (Bass) und Sherry Hagler (Keyboards) machten schon seit der Highschool zusammen Musik. 1968 kam noch Liver Favela am Schlagzeug dazu und BIRTHA waren komplett. Jetzt fragen sich sicher einige Leute wo zum Geier die Sängerin ist-Alle vier Mädels teilten sich die Leadvocals, was ja auch nicht alle Tage vorkommt.




Direkt nach dem Einstieg von Favela gingen die Frauen auf eine ausgedehnte Westküstentour, die sie von ihrem Heimatstaat bis nach Alaska führte. Bei diesen Gigs spielten BIRTHA allerdings noch kein eigenes Material, zu diesem Zeitpunkt war die Truppe eine reine Coverband. Während dieser Tour, die bis 1971 andauerte, verfeinerten die Mädels ihren eigenen Stil und trauten sich nach Tourende an die ersten eigenen Songs. 1972 erhielten BIRTHA einen Plattenvertrag mit Dunhill Records und kurz darauf wurde auch das selbstbetitelte Debut veröffentlicht, das auch eine Singleauskopplung nach sich zog. Auf das Debut komme ich noch zurück.

Gleich im Anschluss ging es wieder auf Tour, diesmal mit eigenem Material und dem Album im Rücken. Beackert wurden neben Kanada und den USA auch Europa (hier mit den KINKS) Nach Ende dieser Tour, die ein knappes Jahr dauerte, gingen BIRTHA zurück ins Studio um den Nachfolger des Debuts aufzunehmen. „Can't stop the Madness“ hieß das Werk, dass es der Band ermöglichte im Anschluß Konzerte mit so illustren Namen wie FLEETWOOD MAC, ALICE COOPER und BLACK OAK ARKANSAS zu spielen. Knapp 250 Konzerte rissen die Mädels so in einem Jahr runter, viele davon in ihrer Heimat Los Angeles und da natürlich in den Kultclubs wie dem Troubadour und dem Whiskey.

Es folgten noch viele Livegigs, bis sich die Truppe 1975 trennte.

Rosemary Butler machte weiter Musik, primär als Backgroundsängerin, u.a. für NEIL YOUNG und JAMES TAYLOR, dazwischen konnte sie aber noch mit „Ridin' High“ einen Nummer 1 Hit in Japan landen. Zudem war sie als Vocal Coach tätig und hat mittlerweile wieder eine eigene Band am Start.

Was die anderen Mädels nach der Trennung machten, konnte ich leider nicht rausfinden. Eventuell kann ich aber noch ein Interview mit Rosemary Butler führen. Den Artikel würde ich dann damit ergänzen.

Der Stil von BIRTHA ist sehr abwechslungsreich. 70er Rock, mal mehr, mal weniger heavy, aber immer mit sattem Drive, einem kleinen Spritzer Funk und einem teils sehr eigenen Gitarrensound.

Das Debut beginnt kurz und knackig mit „Free Spirit“ einem sehr groovigen und extrem eingängigen Titel. „Fine Talking Man“ ist ein Prototyp eines sich immer mehr steigernden Songs. Vom relativ ruhigen Anfang bis zum Ausrasten der Instrumentalfraktion, dem sich noch eine unglaubliche Vocalperformance anschließt, ein feines Stück Rockmusik. Boogie ist mit „Tuesday“ angesagt, schön straight nach vorne gehend. Hier zeigt sich besonders wie die Mädels den Spannungsbogen eines Songs durch Abwechslung halten können. „Feeling lonely“ beginnt als eine schöne aber unspektakuläre Halbballade, die durch die schönen Vocals besticht. Im Mittelteil wird aber wieder heftig auf die Instrumente eingeschlagen. Mit „She was good to me“ präsentiert die Band eine textlich sehr schöne, aber musikalisch leider sehr seichte Ballade. Dafür startet die Truppe mit „Working on a Dream“ wieder durch, sehr funky und mit Soul, erinnert etwas an RARE EARTH. „Too much Woman (for a Hen Pecked Man) ist neben „Free Spirit“ mein persönliches Highlight der Scheibe. Genialer Gesang, gepaart mit heavy Gitarren und groovig ohne Ende. Der „Judgement Day“ schlägt in die selbe Kerbe, ist aber durch den stärkeren Orgeleinsatz und der fuzzigen Gitarre doch wieder anders. Das Ende des Albums markiert „Forgotten Soul“, wieder sehr abwechslungsreich, bei der die Band nochmal alle Register zieht.


Die Birtha-Scheiben gehören jetzt nicht zu den ganz großen Raritäten, nachgeschmissen werden sie einem aber auch nicht. Etwa 25 Euronen sollte man für eine Originalpressung in gutem Zustand rechnen. Das gilt für beide Alben. Meines Wissens nach gibt es die beiden Scheiben nur in einer 2 on 1-Auflage auf CD, diese scheint aber sehr selten zu sein. Von dieser 2 on 1 gibt es anscheinend auch noch ein Bootleg.

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