Freitag, 1. Mai 2015

Forgotten Heroes - Russ Ballard

Ich gebe es ja zu, der Spartentitel ist vielleicht etwas übertrieben, aber was die Bildzeitung kann, kann ich schon lange.

Auch wenn Russ Ballard kein wirklich Unbekannter im Rockuniversum ist - Die Berichterstattung über ihn ist recht spärlich.

Der mittlerweile fast siebzigjährige, britische Musiker, Songwriter und Produzent begann seine Karriere in den frühen 60ern. Die erste Band, in der Russ Ballard mitwirkte, war THE ROULETTES.
Diese ursprünglich als Backingband für den britischen Sänger Adam Faith gegründete Truppe brachte es auf ein Album, „Stakes and Chips“, das 1966 erschien. Russ Ballard wanderte danach zu UNIT 4+2,
die mit „Concrete and Clay“ sogar einen Hit innehatten.












Richtig los ging es für Russ Ballard aber 1970, als er zu ARGENT stieß.

















Seine Songwriterfähigkeiten brachten der Band einige Erfolge, darunter die Songs „Liar“ (der auch von THREE DOG NIGHT veröffentlicht und in dieser Version ein großer Hit wurde) und der wohl bekannteste Titel von Argent, nämlich „Hold your Head up“, der auch immer wieder auf 70er Compilations auftaucht. Persönlich finde ich jetzt das Gesamtwerk von ARGENT aber nicht essentiell.

1974 verlies Russ Ballard ARGENT wieder. Ab diesem Zeitpunkt startete er seine Solo-Karriere, nicht nur als Musiker, sondern auch als Songwriter und Prodzent für eine Unzahl von Bands und Solokünstlern.

Mit den Songs, die er für andere Künstler geschrieben hat, (und teilweise selbst auch auf seinen Soloalben veröffentlicht hat) könnte man mehrere Seiten füllen. Ich will mich deshalb nachfolgend auf ein paar der wichtigsten Songs beschränken.

Unter anderem stammen folgende Songs von Russ Ballard.

RAINBOW: I surrender (Difficult to the Cure) und Since you been gone (Down to Earth). Since you been gone wurde auch von HEAD EAST auf ihrem selbstbetitelten 78er Album veröffentlicht und dazu noch von zig anderen Bands.

AMERICA: You can do Magic (View from the Ground), The Border (Your Move)

URIAH HEEP: On the Rebound (Abominog), der Song ist auch auf Russ Ballards „Barnet Dogs“-Album enthalten.

MAGNUM: Rockin' Chair und No Way out (Goodnight L.A.)

ACE FREHLEY: New York Groove (Kiss/Ace Frehley), der Song war auch ein Hit für HELLO.

Desweiteren hat er auch sehr viel für Roger Daltrey (THE WHO) geschrieben. Auch SANTANA griff auf seine Fähigkeiten als Songwriter zurück. Ebenso hat er für zwei Mitglieder von ABBA Songs geschrieben. Für AGNETHA FÄLTSKOG schrieb er „Can't shake loose“, für ANNI-FRID LYNGSTAD „There's something going on“.

Einer seiner bekanntesten Songs in Metalkreisen ist sicherlich „Riding with the Angels“, das u.a. von SAMSON aufgenommen wurde und von ihm selbst auf dem „Barnet Dogs“-Album veröffentlicht wurde.


Aber nun zu Russ Ballard und seinen eigenen Scheiben. Ich werde nicht für jedes Album die einzelnen Songs besprechen, da ich eigentlich jedes seiner Werke bis 1985 empfehlen kann und meine werte Leserschaft auch auf Entdeckungsreise gehen soll.





1974 erschien das selbstbetitelte Solo-Debut.
Teilweise noch sehr dem etwas softeren Rock'n Roll verbunden zeigt es aber schon, was in Russ Ballard so steckt. Herausragend ist sicherlich „Kicks“ das später von SAVOY BROWN in einer extrem geilen Version auf „Make me sweat“ veröffentlicht wurde.





1976 wurde „Winning“ veröffentlicht.
Den Titeltrack hatte Ballard ursprünglich für SANTANA geschrieben. „Just a Dream away“ hört man auch auf dem Soundtrack des Films „McVicar“, allerdings in einer Version von Roger Daltrey, Dazu ist noch „Since you been gone“ enthalten, das, wie schon geschrieben, bereits zigmal gecovert wurde. Impelliteri sind hier auch noch zu nennen. (Und wer will kann auch mal die sehr geile Version der BRYAN MAY-Band live at Brixton 93
checken)

Sein 78er Werk hört auf den Namen „Third Stroke“.
Der Opener „Dancer“ist ein genialer Rocksong, hier hört man neben Russ Ballard noch so illustre Namen wie Jeff Porcaro und David Paich (TOTO). Mein Fave des Albums hört auf den Namen „I'm a Scorpio“. Auch „Cast the Spirit“ ist sehr zu empfehlen.





1980 kam „Barnet Dogs“ auf den Markt.
Hier ging Russ Ballard um einiges härter ans Werk, wie man schon an „Rene didn't do it“, dem ersten Track, merkt. Auf „Barnet Dogs“ findet man, wie schon angesrochen auch „On the Rebound“, das mir persönlich in der Version von URIAH HEEP besser gefällt, sowie „Riding with the Angels“

„Into the Fire“, das 1981 erschien, nahm die Härte wieder etwas weg. Trotz oder gerade weil hier nur Material enthalten ist, das für keinen anderen Musiker bestimmt war (zumindest meiner Kenntnis nach) ist das Album eine durchgehend sehr gute Rockscheibe. „Madman“, „Guilty“ und „Where we go from here“ zeigen das auf eindrucksvolle Weise.


1984 sollte, zumindest was den Erfolg unter seinem eigenen Namen anbelangt, ein großes Jahr für Russ Ballard werden. Erneut schlicht selbstbetitelt enthielt die Scheibe eine Reihe Klassiker, unter anderem auch das unsterbliche „Voices“, das man auch in einer Folge von Miami Vice hören kann und seit mittlerweile Jahrzehnten zu den ganz großen Rockclubklassikern gehört und von jeder Rockradiostation immer wieder gespielt wird. Aber auch die anderen enthaltenen Songs, allen voran der Opener „I can hear you no more“, das ebenfalls in Miami Vice zu hörende „In the Night“, das fröhliche, mit „Since you been gone“ verwandte „Two Silhouettes“, sowie die großartige AOR-Songs „A Woman like you“ und „The last Time“ wissen zu begeistern.


Ein Jahr später kam ein besonderes Album von Russ Ballard auf den Markt, das in einer bestimmten Version zu einem Kultsammlerstück wurde und in diesem Form auch eine, zumindest meiner Meinung nach, Pioniertat enthielt.
Die Rede ist von „The Fire still burns“, das es in einer speziellen Auflage, mit der sogenannten Broadcast-Disc gab, dazu aber später mehr. „The Fire still burns ist ein großartiges Album in der Schnittmenge zwischen klassischem Rock und AOR. „Once a Rebel“, „The Omen“, das überragende „Your Time is gonna come“, „Dream on“ oder der Titeltrack sind ganz großes Kino. Aber nun zu der angesprochenen Auflage des Albums mit der Broadcast-Disc. Im Gegensatz zur normalen Veröffentlichung bekam man diese Version in einem FOC mit zwei LP's. Neben dem normalen Album war die genannte Broadcast-Disc enthalten, die auf einmalige Weise und soweit ich weiß erstmalig überhaupt, den Entstehungsprozess eines Songs (The Fire still burns) anhand einzelner Spuren aufzeigte. Oft taucht diese Version nicht auf, obwohl längst nicht mehr die Preise wie Anfang der 90er dafür erzielt wurden. (600 bis 800 DM) Mit 80 -100 Euronen ist man mittlerweile dabei.
Der Track ist aber mittlerweile auch bei youtube zu finden. Etwas gekürzt lief der Song auch desöfteren in den bayrischen Rockclubs und auch in Läden wie dem Aladin in Bremen. Offiziell war er lange Zeit nur auf Vinyl erhältlich. Bei der großen Bootlegwelle in den 90ern (Munich City Nights, Bavarians Best usw.) war er aber öfters auf CD zu haben. Erstmals offziell und in der etwas gekürzten Version war er bei der Los Rockos-Compilation des bayrischen Rundfunks enthalten.


8 Jahre lies sich Russ Ballard Zeit für „The Seer“. Ich muss zugeben, dass ich das Album recht schwach finde, bis auf „King for a Day“ kann mich daran nichts begeistern. „Book of Love“, das erst 2006 das Licht der Welt erblickte, ist wieder etwas besser geworden, reicht aber auch bei weitem nicht mehr an die früheren Glanztaten heran. Seitdem gibt es keine neuen Veröffentlichungen von Russ Ballard, live hingegen ist er immer noch unterwegs.

Die Alben sind bis auf die Broadcast-Disc-Version von „The Fire still burns“ leicht und günstig zu bekommen.




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