Freitag, 15. September 2017

Aviator - S/T

Aviator - Aviator

Fragt mich jemand nach den meiner Meinung nach besten AOR/Melodicrockalben, so nenne ich neben AXE, STREETS, FORTUNE und einigen weiteren Bands auch immer Aviator. Ihr erstes und leider einziges, selbstbetiteltes Album von 1986 hat genau das, was mir bei vielen aktuellen Melodicrock-Truppen abgeht - trotz der sehr radiotauglichen Melodien dürfen die Gitarristen noch richtig vom Leder ziehen. Warum die Truppe es trotz Majorlabel (RCA) und sehr guten Songs nicht geschafft hat, bleibt wohl ein ewiges Rätsel der Musikgeschichte.

Auch wenn diese Scheibe das Debut von AVIATOR darstellt, sind die beteiligten Musiker zur Entstehungszeit bereits alte Hasen und sich teilweise schon vorher des öfteren über den Weg gelaufen. Basser Steve Vitale hatte sein Debut auf einem Album von Ellen Shipley. Gitarrist Richie Cerneglia (der als Einziger noch aktiv zu sein scheint) war ebenfalls auf dieser LP zu hören, war aber schon vorher bei der HALL & OATES Band, bei NETWORK (die Alben kann ich auch empfehlen) und den ebenfalls empfehlenswerten WIGGY BITS. Bei NETWORK haben sich Richie und Drummer Mike Ricciardella kennengelernt, der auch kurzzeitig bei WIGGY BITS getrommelt hat. Fehlt nur noch Sänger Ernie White, der den großartigen Songs der Scheibe noch den letzten Pfiff gibt. Mit „Frontline“ liefert die Band gleich zu Beginn einen absoluten Kracher ab. Catchy Riffs und ein Refrain zum Niederknien. Kein Wunder, dass dieser Track in den 90ern für die Bootleg-Serie „Munich City Nights“ ausgewählt wurde. Mit „Back on the Street“ wird partytauglicher Rock abgeliefert, wie er nur in den 80ern entstehen konnte. „Don't turn away“ ist etwas ruhiger, ein schöner Rocksong, der etwas an die frühen Sachen von Bryan Adams erinnert. Ein weiteres Highlight der Scheibe ist „Wrong Place, wrong Time“, der Refrain frisst sich ins Ohr und ist schwer zu entfernen. Ok, über den Titel „Never let the Rock stop“ kann man geteilter Meinung sein, der Song an sich ist aber ein grandioser Midtempo-Stampfer ohne Schnörkel. Die Riffs von „Come back“ erinnern etwas an den BAD BOY-Kracher „Cheat on me“. Der Track hat eine gesunde Härte und macht Spaß, ist nur bei den Gesangsmelodien sehr weichgespült. Egal! „Magic“ hingegen ist allgemein etwas zu sehr auf „Für feuchte Höschen sorgen“ getrimmt und fällt gegenüber den anderen Songs schon ab. Dafür lässt es die Band bei „Can't stop“ wieder krachen, es wird ordentlich aufs Gaspedal getreten. „Too Young“ ist reinrassiger 80er AOR mit wunderbaren Melodiebögen. Textlich wollen wir den Mantel des Schweigens über „Every Schoolboy knows“ legen, musikalisch bekommt man aber einen tollen Song mit leichten Anleihen an frühem 80er Pomp-AOR. „Through the Night“ rundet das Album, trotz des etwas poppigen Grundtons, wunderbar ab. Auf der CD-Version sind noch zwei Bonustracks enthalten. Während „Woman in Love“ im Gegensatz zu den sonstigen Songs etwas mehr dem reinrassigen Hardrock angehörig ist und richtig Spaß macht „Holding on“ nochmal „alte“ Aviator-Schule, wenn auch der Gesang etwas tiefer und rauher rüberkommt. Das Album ist, egal ob auf LP oder CD, recht günstig zu haben. Ich hatte das Glück damals eine Promo-LP, mit Band-Foto und Promosheet, zu bekommen.


Rauberer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen